Aralsee - Landschaftswandel 1960/2012

Asien – Landschaftsnutzung

978-3-14-100782-4 | Seite 105 | Abb. 6 | Maßstab 1 : 6.000.000
Aralsee | Landschaftswandel 1960/2012 | Asien – Landschaftsnutzung | Karte 105/6

Überblick


Das schleichende Verschwinden des Aralsees zählt zu den weltweit größten Umweltkatastrophen, die der Mensch im 20. Jahrhundert verursacht hat. Noch 1960 war der Aralsee mit 68 000 km² der viertgrößte Süßwassersee der Erde. Bis 2009 hat sich die Fläche auf rund 21 000 km² verringert – dies entspricht nur noch etwa einem Drittel ihrer ursprünglichen Größe.
Vor rund 20 Jahren teilte sich der Aralsee in den Kleinen Aralsee im Norden und den Großen Aralsee im Süden. Doch auch der Große Aralsee, der 1998 noch ein geschlossenes Gewässer bildete (siehe Uferlinie in Karte 2009), spaltete sich im Jahr 2000 in ein östliches und ein westliches Becken. Der ehemalige Südrand des Großen Aralsees trocknete dagegen vollständig aus und die nördliche Seefläche wurde noch schmaler. Der einstige Fischerort Muinak ist heute eine Wüstenstadt – mehr als 100 Kilometer vom Seeufer entfernt.

Landschaftswandel durch Bewässerung
Die wichtigste Ursache für die Veränderungen am Aralsee war die zunehmende Inanspruchnahme der Flüsse Amudarja und Syrdarja für Bewässerungsmaßnahmen. Hintergrund dieser Maßnahmen war der „Kalte Krieg“. Um vom Ausland unabhängig zu werden, beschloss die Sowjetunion in den frühen 1960er-Jahren, den Anbau von Reis und Baumwolle drastisch zu steigern. Reis und Baumwolle gehören jedoch zu den wasserbedürftigsten Nutzpflanzen überhaupt. Daher wurde ein riesiges Bewässerungssystem errichtet, das sich aus den beiden Zuflüssen des Aralsees – Amudarja und Syrdarja – speiste.

Vom Binnensee zur Wüstenlandschaft
Die Folge der riesigen Wasserentnahmen zur künstlichen Bewässerung war, dass über die beiden Flüsse Amudarja und Syrdarja statt der einstmals 56 km³ durchschnittlich nur noch 5 km³ Wasser in den Aralsee flossen. In vielen Jahren erreichten die Zuflüsse den See gar nicht mehr. Da der Aralsee in einem natürlichen Trockenraum mit hohen Sommertemperaturen liegt, war die Verdunstung sehr hoch. Die geringen Jahresniederschläge konnten die Verdunstungsverluste nicht ausgleichen. Mit der abnehmenden Wassermenge nahm der Salzgehalt zu. Der hohe Eintrag von Düngemitteln aus den Bewässerungsflächen verstärkte diesen Prozess.
In den ehemaligen, heute trocken gefallenen Seeflächen kommt es zu ausgedehnten Salz- und Bodenverwehungen. Vor allem die Gebiete östlich des Sees sind von starken Salzstaubstürmen betroffen. Hinzu kommt die Versalzung und Verunreinigung des Flusswassers. Die 1960 noch vorhandenen Auenwälder in den Flussdeltas sind ganz verschwunden. Der kommerzielle Fischfang, der früher die Nahrungs- und Lebensgrundlage für etwa 60 000 Fischer bedeutete, musste in den 1980er-Jahren eingestellt werden. Die noch vorhandenen Wasserflächen sind zum Teil ökologisch tot oder in ihrer Artenvielfalt extrem verarmt.

Gegenmaßnahmen
Durch den Bau von Dämmen (z. B. Kok-Aral-Damm) und die Ausbesserung der oft undichten Bewässerungskanäle wird versucht, den Wasserstand im Kleinen (nördlichen) Aralsee anzuheben. Tatsächlich konnte sich der Wasserstand etwas erholen, ebenso sank der Salzgehalt ab. Der Syrdarja erreicht den Kleinen Aralsee mittlerweile wieder beständig. Auch die ökologischen Bedingungen haben sich dort verbessert, selbst Fischfang ist wieder möglich.

M. Felsch, S. Lemke

Info Plus

Das schleichende Verschwinden des Aralsees gilt als eine der größten Umweltkatastrophen, die der Mensch im 20. Jahrhundert verursacht hat. Die vom Aralsee eingenommene Fläche hat sich allein in den Jahren zwischen 1960 und 2000 von 68 000 km² auf etwa 32 000 km² um mehr als die Hälfte verringert. Der einstige Fischerort Muinak, in dem vor nicht langer Zeit noch tausende Menschen vom Fischfang und der Fischverarbeitung lebten, ist heute eine Wüstenstadt, in der verrostete Schiffswracks mehr als 100 Kilometer vom Aralsee entfernt auf dem Trockenen liegen. Trotz zahlloser Umweltkonferenzen hat sich der Rückgang des Sees bis 2004 ungebrochen fortgesetzt. War der südliche, größere der beiden Restseen vor einigen Jahren noch ein geschlossenes Gewässer, in dem das ehemalige Testgelände für Biowaffen eine Insel bildete, ist er heute an seinem Südrand vollständig ausgetrocknet und im Norden noch schmaler geworden Durch den Bau von Dämmen und die Ausbesserung der Bewässerungskanäle versucht Kasachstan mit Unterstützung der Weltbank, den Wasserstand im Nördlichen Aralsee zu stabilisieren. Dort hat sich der Wasserstand von seinem Tiefststand 2004 (32 Meter) bis 2007 wieder auf 43 Meter erholt, die Fläche des Teilsees ist seitdem um 30 Prozent gewachsen.

Vom Binnensee zur Wüstenlandschaft
Die unmittelbare Ursache für das verschwinden des Aralsees war der Umstand, dass die beiden Zuflüsse Amurdarja und Syrdarja statt der einstmals 56 km³ durchschnittlich nur noch 5 km³ Wasser zur Jahreswasserbilanz des Sees beitrugen. In vielen Jahren erreichten sie den See gar nicht mehr. Da sich der Aralsee in einem Trockenraum mit hohen Sommertemperaturen befindet, in dem die mittlere Jahresniederschlagssumme unter 250 Millimetern liegt, war die Verdunstung immens. Die geringen Niederschläge reichen bei weitem nicht aus, die Verdunstungsverluste auszugleichen: Sie trugen zusammen mit den unterirdischen Zuflüssen nur 10 km³ pro Jahr zur Wasserbilanz bei.
In der abnehmenden Wassermenge nahm der Salzgehalt zu. Der hohe Eintrag von Düngemitteln aus den Bewässerungsflächen verstärkte diesen Prozess. Die ehemaligen, heute trocken gefallenen Seeflächen sind von ausgedehnten Salz- und Bodenverwehungen betroffen. Zu den ökologischen Auswirkungen des Landschaftswandels zählen die zunehmenden Salzstaubstürme östlich des Sees ebenso wie die Versalzung und Verunreinigung des Flusswassers. Die 1960 noch vorhandenen Auenwälder in den Flussdeltas sind ganz verschwunden. Der kommerzielle Fischfang musste in den 1980er-Jahren eingestellt werden, die noch vorhandenen Wasserflächen sind zum Teil ökologisch tot oder in ihrer Arten- und Individuenzahl extrem verarmt. Als Folge der oben beschriebenen Maßnahmen ist es aber zumindest gelungen, den Salzgehalt im Nördlichen Aralsee wieder auf unter 1,5 Prozent abzusenken. Der Syrdaja erreicht wieder kontinuierlich den Nördlichen Teilsee. Damit haben sich dort auch die ökologischen Bedingungen verbessert, selbst Fischfang ist wieder möglich.

Landschaftswandel durch Bewässerung
Die wichtigste anthropogene Ursache für die Veränderungen am Aralsee war die zunehmende Inanspruchnahme der Flüsse Amurdarja und Syrdarja für Bewässerungsmaßnahmen, insbesondere die umfangreichen Wasserentnahmen aus dem Amurdarja für den Karakumkanal (vgl. 152). Hintergrund dieser Maßnahmen war der "Kalte Krieg". Um vom Ausland unabhängig zu werden, beschloss die Führung der Sowjetunion in den frühen 1960er-Jahren, den Anbau von Reis und Baumwolle drastisch zu steigern. Da diese beiden Arten zu den wasserbedürftigsten Nutzpflanzen überhaupt gehören, musste ein riesiges Bewässerungssystem errichtet werden, das sich aus den genannten Flüssen speiste. Die Wasserentnahme gipfelte Anfang 1974 in einer vollständigen Blockade des Syrdarja, 1982 folgte die Blockade des Amurdarja.
Die nach 1960 stark ausgedehnten Bewässerungsflächen für den Reis- und Baumwollanbau befinden sich heute bereits wieder im Rückgang. Infolge unsachgemäßer Anbaumethoden sind die verbliebenen Flächen von Bodenversalzung betroffen. Bewässert wurde ohne Drainagesystem, sodass große Mengen an Wasser verschwendet wurden. Das überschüssige Wasser wurde in etwa 40 relativ große, künstliche Drainageseen oder in Kleinseen und Senken abgeleitet, wo es zu großen Teilen verdunstete. Ungewollt speiste das Wasser des Amurdarja so auch den Sarykamyschsee im Grenzgebiet von Turkmenistan, der sich dadurch zwischen 1960 und 2007 um ein Vielfaches vergrößerte.
M. Felsch

Materialien zu dieser Karte

Weitere Materialien

PDF-Animation

Der Aralsee von 2000 bis 2011 - Zeitliche Entwicklung

Diese Animation zeigt den zeitlichen Verlauf der Ausdehnung des Aralsees von 2000 bis 2011. Über einen Klick auf "Animation starten" kann die Abfolge selbstablaufend angezeigt werden. Die einzelnen Jahre können über einen Klick auf die Jahreszahl in der Zeitleiste aufgerufen werden.
Die Entwicklung im Jahr 2010 zeigt ein flaches Auffüllen der vorher u.a. durch eine Dürre trockengefallenen Fläche. Hierfür hat einer der Zuflüsse des Aralsees nach Ende der Dürre gesorgt.
Bildquelle: Nasa Earth Observatory
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Graphiken

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Aralsee und Aralkumwüste 2003

Der Aralsee war einmal der viertgrößte See der Erde und wird 2020 nahe zu ausgetrocknet sein. Die Austrocknung, sowie die Veränderungen der Vegetation finden ihre Ursache in der Übernutzung des Landschaftsraumes durch Landwirtschaft, Industrie, etc.
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Schema des Entstehens und der Verhinderung der Versalzung von Bewässerungsflächen in ariden Regionen

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