Arabische Golfstaaten - Wirtschaft

Golfstaaten

978-3-14-100782-4 | Seite 109 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 6.000.000
Arabische Golfstaaten | Wirtschaft | Golfstaaten | Karte 109/4

Informationen

Der Persische Golf liegt in einem strategisch bedeutsamen Gebiet, ist aber als Gewässer vergleichsweise unspektakulär: Eine sanfte Synklinale mit wenig markanten amphibischen Ufern, einem breiten Schelf und einer Durchschnittstiefe zwischen 35 und maximal 110 Metern. Erst seit 20 000 Jahren füllt sich der Trog wieder durch die Straße von Hormuz mit dem Wasser des Indischen Ozeans, das bei der hohen Verdunstungsrate nach drei bis sechs Jahren komplett ausgetauscht wird und einen Salzgehalt von rund 4 Prozent besitzt. Gefährdet wird das ökologische Gleichgewicht am Golf vor allem durch die geringe Süßwasserzufuhr, die sich fast ausschließlich aus den Flüssen Euphrat und Tigris speist, die Abwasserbelastung aus den Küstenstädten und durch Erdölverschmutzungen, etwa aufgrund von Tankerunfällen, den Brand der kuwaitischen Erdölfelder 1990/91 oder die petrochemische Industrie.

Erdöl- und Ergasvorkommen
Der in den letzten Jahrmillionen tektonisch kaum gestörte Trog weist durch Mikrotektonik im Untergrund (insbesondere Salztektonik) antiklinal gefaltete, oberflächennahe jurassische und kretazische Kalke und Kalksteine auf, die nach oben durch undurchlässige Tonsedimente abgedeckt sind. In diese "Fallen" wanderten die seit dem Kambrium entstandenen flüssigen und gasförmigen Kohlenwasserstoffe. Wenn diese Lager groß genug sind und von der Erdöl- und Erdgasexploration gefunden werden, kann die Produktion beginnen. Mit eigenem artesischen Druck treten die assoziierten Stoffe Erdgas (oben), Erdöl (Mitte) und Wasser (unten) in den Fördersonden aus 1000 bis 2000 Metern Tiefe zutage.
Die naturgeographische Situation mit schwacher Tektonik hat dem Golf einen einmaligen Fundus beschert. Die Territorien der Golfanrainer einschließlich Irak, Iran und Kuwait beherbergen 52 Prozent der weltweiten Erdöl- und Erdgasreserven. Selbst wenn man alle übrigen Energierohstoffe der Erde, insbesondere Kohlen, berücksichtigt, liegen hier 21 Prozent der gesicherten globalen Energievorräte. Berücksichtigt man nur die im Kartenausschnitt sichtbaren Staaten, sind es 13 Prozent. Nicht nur diese Mengen, auch der Preis ist entscheidend: Nirgendwo auf der Welt sind die Förderkosten so niedrig. Am Golf schätzt man sie auf 4 US-Dollar pro Fass bzw. auf 30 US-Dollar pro Tonne; für Ruhrkohle mit einem vergleichbaren Brennwert müssten etwa 250 US-Dollar pro Tonne aufgewendet werden.

Territorialkonflikte am Golf
Auf dem Energiemarkt gibt es eine sektorale und eine räumliche Arbeitsteilung. Sektoral bedeutet, dass Rohöl — soweit nicht für den lokalen Bedarf raffiniert — vor allem in den Export geht. Dagegen ist das teurer zu transportierende Erdgas der eigentliche Motor der Entwicklung. Es ist Grundstoff für die Petrochemie und befeuert die Elektrizitäts- und Meerwasserentsalzungsanlagen, die das Überleben der Menschen am Golf erst ermöglichen. Der Energieschatz macht die Region wichtig und wertvoll, aber auch verwundbar. In der Straße von Hormus, durch die 32 Prozent der Weltrohölexporte laufen, stehen sich semitische Araber und indogermanische Iraner gegenüber. Beide Ethnien eint der Islam; doch zwischen den arabischen Sunniten und den iranischen Schiiten herrscht seit der Schlacht von Kerbela, die 680 n. Chr. zwischen Omayyaden und Schiiten ausgetragen wurde, eine tief verwurzelte Abneigung.
Heute leben rund 34 Mio. Einwohner in den arabischen Golfanrainern (ohne Irak); nach Abzug der ausländischen Gastarbeiter schrumpft ihre Zahl auf 22 Mio. Ihnen gegenüber stehen fast 71 Mio. Iraner — keine Gastarbeiter, sondern Einwohner eines hochgerüsteten und trotz aller tagespolitischen Verwerfungen äußerlich einigen Staatswesens. Den territorialen Anspruch auf das heutige Königreich Bahrain hat der Iran 1970 zumindest formal aufgegeben, dafür besetzte er 1971 einige zum arabischen Emirat Sharjah (Ash-Shariqah) gehörige Inseln. Bis heute fühlt sich die arabische Seite verwundbar und sucht deshalb händeringend nach Verbündeten wie den USA.
K. Schliephake

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Der Nahe Osten und der kaukasisch-kaspische Raum

Im Nahen Osten und kauaksisch-kaspischen Raum befinden sich die bedeutendsten Erdöl- und Gasreserven der Erde.
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