Antike - Völkerwanderung und Reiche (bis zum Tode Theoderichs um 526 n.Chr.)

Europa - Antike

978-3-14-100870-8 | Seite 101 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 60.000.000
Antike | Völkerwanderung und Reiche (bis zum Tode Theoderichs um 526 n.Chr.) | Europa - Antike | Karte 101/3

Überblick

Die erste Völkerwanderung wurde Ende des 2. Jahrhunderts von den Goten ausgelöst, die, aus dem Ostseeraum kommend, in das Gebiet der heutigen Ukraine zogen. Ende des 3. Jahrhunderts kam diese erste Wanderungsbewegung zum Stillstand. Die große Völkerwanderung des 4. und 5. Jahrhunderts lösten die Hunnen aus, als sie von der heutigen Mongolei aus in die Nähe des Schwarzen Meeres zogen und die Alanen unterwarfen. Dann besiegten sie die Ostgoten, die sie ebenso zur Heerfolge zwangen wie später die Gepiden. Ost- und westgotische Stämme vor sich her treibend, stießen sie weiter nach Westen vor und wurden dadurch zum Auslöser einer umfassenden Wanderung germanischer Völker (Vandalen, Franken, Burgunder, Sachsen, Angeln, Jüten, Alemannen, Sweben, Heruler, Gepiden).

Die aus ihren Stammsitzen verdrängten Goten gingen selbst auf Plünderzug. Die Westgoten errichteten 418 unter König Wallia ein Reich, das später seinen Schwerpunkt in Nordspanien hatte und erst 711 von den Mauren unterworfen wurde. Die Ostgoten eroberten 493 unter König Theoderich dem Großen ein Reich, das Italien, Sizilien, Dalmatien und Slawonien umfasste. Es wurde kurz nach Theoderichs Tod (526) von den byzantinischen Feldherren Belisar und Narses vernichtet.

Die aus dem ungarischen Theißbecken stammenden Vandalen überquerten unter König Geiserich zunächst den Rhein und zogen dann über Spanien bis ins römische Nordafrika, das sie in wenigen Monaten besetzten. 439 nahmen sie Karthago ein und machten es zu ihrer Residenz. Von hier aus eroberten sie die Inseln des westlichen Mittelmeeres und plünderten Rom. Dem byzantinischen Feldherrn Belisar, der schon die Ostgoten geschlagen hatte, gelang es, die Vandalen 534 niederzuwerfen.

Jüten, Angeln und Sachsen nahmen um 450 von Jütland und Norddeutschland aus das von den Römern verlassene Britannien ein, die keltische Bevölkerung wurde nach Cornwall, Wales, Irland und Schottland abgedrängt. Die aus den Weichsel- und Odergebieten stammenden Burgunder siedelten sich zunächst in der Gegend von Worms und Mainz an, zogen aber wenig später weiter ins Rhônegebiet, wo auch sie 443 ein Königreich gründeten.

Durch den Niedergang des Weströmischen Reiches und die Südwanderung vieler Stämme entstand in Mitteleuropa ein Machtvakuum. Die Franken, ursprünglich aus der Maasgegend stammend, machten sich daran, es auszufüllen. Über das heutige Belgien drängten sie um 450 nach Nordgallien. Der erste bedeutende fränkische König war Chlodwig aus dem Haus der Merowinger, der den weströmischen Feldherrn Syagrius, die Alemannen und Burgunder besiegte und die Westgoten aus Gallien verdrängte.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft war der wichtigste Wirtschaftszweig im Römischen Reich, rund drei Viertel der Bevölkerung waren Bauern. Es gab zunächst zwei Grundformen: kaiserliche Domänen oder Großgüter (zum Teil mit Sklavenarbeit) und kleinbäuerliche Gehöfte von Freibauern. Manche Großgüter verzichteten auf Sklaven, einerseits weil die Sklavenarbeit unrentabler als der saisonabhängige Einsatz anderer Arbeitskräfte war (Weinbau), andererseits weil Sklaven in Friedenszeiten knapp waren. Im 2. Jahrhundert wurden die Freibauern zunehmend zu Kolonen gemacht. Sie traten ihr Land an die Gutsbesitzer ab, die im Gegenzug Schutz vor Übergriffen der Steuereintreiber oder bewaffneter Banden boten. Zwischen Großgrundbesitzer und Kolonen waren oft Zwischenpächter (Conductori) geschaltet. Nach der Übertragung römischer Agrartechniken in andere Regionen des Reiches gerieten viele Bauern in eine Konkurrenzsituation, die ihre Lage zusätzlich erschwerte.

Handel und Verkehr

Im Römischen Reich gab es ein weitverzweigtes Handelsnetz, dennoch war die Bedeutung des Handels begrenzt. Zum einen war der Gütertransport trotz ausgebauter Verkehrswege vergleichsweise teuer und riskant. Zum anderen wurden bestimmte Produkte zwar über weite Entfernungen gehandelt, es gab aber nur wenige Produktionsstandorte von überregionalem Stellenwert. Die Städte schöpften ihre Bedeutung mit wenigen Ausnahmen (Ostia, Alexan-dria, Lugdunum, Rom) aus ihrem direkten, agrarisch geprägten Umland.

Das römische Straßennetz mit seinen zahlreichen Brückenbauten erschloss alle wichtigen Regionen und Orte und gewährleistete den politischen, militärischen und wirtschaftlichen Zusammenhalt des Reiches. Auf diesen Straßen konnten Eilboten bis zu 80 Kilometer pro Tag zurücklegen, der Transport von Waren und die Verlegung von Militäreinheiten dauerten aber wesentlich länger. In vielen Küstenstädten wurden Häfen errichtet, wichtige Seewege wurden durch Leuchtfeuer gesichert. Der Schwerpunkt des Schiffsverkehrs lag im Mittelmeerraum.

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