Antarktis - Hoheitsansprüche/Forschung

Polargebiete

978-3-14-100700-8 | Seite 221 | Abb. 6 | Maßstab 1 : 72.000.000
Antarktis | Hoheitsansprüche/Forschung | Polargebiete | Karte 221/6

Überblick

Im Antarktisvertrag von 1959 erklärten sich die an der Antarktis interessierten Staaten bereit, auf militärische Eingriffe zugunsten ihrer GebietsansprÜche zu verzichten. Ziel des Vertrages war und ist es, die Umwelt der Antarktis zu bewahren und die dortige Forschung zu fördern.
Vor der Unterzeichnung hatten verschiedene Staaten um die Vorherrschaft auf diesem Kontinent gerungen. Dazu gehörten unter anderem Argentinien, Großbritannien, Neuseeland, Frankreich und Norwegen.
Angesichts knapper werdender Rohstoffe machen nun jedoch erneut einzelne Staaten ihre Gebietsansprüche geltend. So hat im Oktober 2007 Großbritannien seine SeegebietsansprÜche vor der antarktischen KÜste erneuert. Man rechnet dort mit großen Offshore Öl-Vorkommen und weiteren Bodenschätzen.
Dabei beruft sich der Großbritannien auf einen Paragraphen der Seerechtskonvention der Vereinten Nationen. Demnach darf ein Land über ein Seeterritorium in der Größe des beanspruchten Festlandes, vor dem dieses Territorium liegt, verfügen.

Internationale Forschung

Seit 1979/80 führt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe regelmäßige Forschungsfahrten zu den Gebirgen am Westrand des Rossmeeres im pazifischen Sektor durch. Mit den Stationen „Lilli Marleen“ und „Gondwana“ wurden in der Antarktis zwei Forschungsstationen errichtet, die jedoch nur im Sommer besetzt sind.
Innerhalb der Forschungsprogramme des Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven spielen vor allem das 1982 in Dienst gestellte Forschungsschiff „Polarstern“ und die auf dem Ekström-Schelfeis vor Neuschwabenland errichtete „Georg-von-Neumayer“-Station eine Rolle. Seit Februar 2009 ist die neue Station „Neumayer III“ auf dem Ekström-Schelfeis in der Atka-Bucht in Betrieb.

V. Hochschild, J. Seibel

Info Plus

Im SCAR-Vertrag von 1959 haben sich die an der Antarktis interessierten Staaten auf eine Zurückstellung ihrer territorialen Gebietsansprüche zugunsten einer international kooperativen, friedlichen Erforschung des Kontinents unter Wahrung seiner sensiblen Natur geeinigt. Gebietsansprüche hatten zu diesem Zeitpunkt bereits sieben Staaten angemeldet: Argentinien 1904, England 1908, Neuseeland 1923, Frankreich 1924, Australien 1933, Norwegen 1939 und Chile 1940; nur Marie-Byrd-Land ist bisher noch nicht beansprucht. Großbritannien hat im Oktober 2007 seine Seegebietsansprüche im Bereich der Antarktischen Halbinsel und des Wedellmeeres bei der UN-Kommission erneuert. Man rechnet dort mit umfangreichen Offshore-Öl-Vorkommen und weiteren Bodenschätzen.

Die moderne Erforschung
An diese Traditionen knüpfen auch die heutigen Forschungen an. Die von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe seit 1979/80 durchgeführten GANOVEX-Unternehmungen (German North Victorialand Expedition) zu den Gebirgen am Westrand des Rossmeeres im pazifischen Sektor führen vielfältige geologisch-geophysikalische Forschungen durch. Mit "Lilli Marleen" und "Gondwana" wurden hier zwei Sommerstationen errichtet. Seit 1959 beteiligten sich auch Wissenschaftler aus der ehemaligen DDR an den Sowjetischen Antarktis-Expeditionen (SAE). Ihr Georg-Forster-Observatorium bei der sowjetischen Station Novolasarevskaya an der Prinzessin-Astrid-Küste (70° 46? Süd, 11° 50? Ost) dient seit der Wiedervereinigung als Sommerstation.
Die vom 1980 gegründeten Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven koordinierten interdisziplinären Forschungsprogramme stützen sich vor allem auf das 1982 in Dienst gestellte Forschungsschiff Polarstern und die 1981 auf dem Ekströmschelfeis vor Neuschwabenland errichtete Georg-von-Neumayer-Station (70° 37? Süd; 8° 22? West). Nachdem die Station schon 1992 wegen auflagernden Eises erneuert werden musste, soll die Station Neumayer III in den Südsommern 2007/08 und 2008/09 auf hydraulische Stelzen gesetzt werden. Sie wird durch die Sommerstation Filchner auf dem Filchner-Ronne-Shelfeis für die glaziologischen Schelfeisprogramme ergänzt. Die Forschungsaktivitäten und die Überwinterungsstation sind notwendige Voraussetzungen für den konsultativen Status Deutschlands in der Konferenz der SCAR-Vertragsstaaten. Insgesamt werden mehr als 80 Überwinterungsstationen von 18 verschiedenen Staaten betrieben.
V. Hochschild

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