Anden - Höhenstufen der Vegetation

Wirtschaft

978-3-14-100870-8 | Seite 231 | Abb. 2
Anden | Höhenstufen der Vegetation | Wirtschaft | Karte 231/2

Überblick

Klimaelemente wie Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit ändern sich mit der Höhe sehr rasch. So bedeutet ein Höhenunterschied von 1000 Metern im Mittel eine Temperaturdifferenz von sechs Grad Celsius. Ein Vergleich: Der Unterschied der Jahresmitteltemperaturen zwischen Juba (Sudan) und Magdeburg beträgt 18,7 Grad Celsius, die Entfernung beider Orte 5600 Kilometer. Der gleiche Temperaturunterschied kann zum Beispiel auch zwischen dem Mont Blanc (4810 m hoch) und der Luftlinie nur sechs Kilometer entfernten Liftstation Tête de la Charme (1870 m) auftreten, also zwischen Tallagen oder Almen in den Alpen und deren höchsten Gipfeln.

Deshalb sind die Hochgebirge der Erde durch charakteristische natürliche Höhenstufen gekennzeichnet, in denen sich auf der Grundlage der konkreten klimatischen Bedingungen eine charakteristische Vegetationsformation herausgebildet hat. Diese ist durch Eingriffe des Menschen vielerorts verändert. Daher charakterisieren oft auch bestimmte Nutzungsformen die jeweilige Höhenstufe.

Die Grafik zeigt die Höhenstufen der Alpen und der peruanischen Anden im Vergleich. Oberhalb der Schneegrenze liegt die Tierra nevada bzw. die nivale Stufe, gekennzeichnet durch scharfkantige Felsgipfel und Vergletscherung. Da sich die peruanischen Anden näher am Äquator befinden, liegt die Schneegrenze dort rund 2500 Meter höher als in den Alpen. Die unterhalb der Schneegrenze befindliche Tierra helada der Anden ähnelt mit ihren Gras-, Kräuter- und Strauchformationen der alpinen Stufe der Alpen.

Eine Entsprechung zu den aufgelockerten Nebelwaldformationen der Anden (Tierra fria) gibt es in den Alpen nicht. Das Klima ist dort ganzjährig feucht und gleichmäßig kühl. Es ist innerhalb Europas am ehesten dem milden ozeanischen Klima Südirlands vergleichbar. Unterhalb der Tierra fria schließen sich dichte, geschlossene Wälder an, deren Charakter sich mit den zunehmenden Temperaturen wandelt (zum Beispiel hinsichtlich der Artenzusammensetzung und der Wuchshöhen). Zwischen der Meeresspiegelhöhe und etwa 1200 Metern Höhe ist natürlicherweise tropischer Regenwald verbreitet. In den Alpen werden die Bereiche unterhalb der Waldgrenze von Nadel-, Misch- und Laubwäldern eingenommen; zum Zwecke der Landwirtschaft sind sie dort verbreitet gerodet und in Grünland umgewandelt worden.