Amerika - Temperaturen im Januar

Amerika - Klima

978-3-14-100870-8 | Seite 210 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 64.000.000
Amerika | Temperaturen im Januar | Amerika - Klima | Karte 210/1

Überblick

In Amerika reicht die Spanne der Durchschnittstemperaturen im Januar von weniger als -35 °C im Norden Kanadas bis zu mehr als 25 °C in weiten Teilen des Amazonastieflandes. Im Juli, während des Südwinters, werden dagegen aufgrund des stärkeren Einflusses der Ozeane in Südamerika keine so tiefen Temperaturen gemessen wie im nordamerikanischen Winter. Sie erreichen in den Hochlagen der Anden etwa 0 bis -5 °C, während die höchsten Werte im Bereich der Karibik über 30 °C liegen.

Einfluss der Windsysteme

Nordamerika unterliegt zirkulationsdynamisch überwiegend dem Regime der vorherrschenden Westwinde im Bereich der Polarfront in großer Höhe. Die bodennahen Westwinde sind zwischen dem Alëutentief und dem Nordpazifischem Hoch besonders intensiv ausgebildet. Die Höhenströmung des Westwindjets wird durch die Rocky Mountains so abgelenkt, dass sie über ihnen eine Ausbuchtung nach Norden (Rücken) und im Lee des Gebirges eine großräumige Südwärtsausbuchtung (Trog) erfährt, um zum Atlantik hin wieder nach Norden zu pendeln.

Der Höhenrücken über der Kordillere fördert dort das Vordringen warmer Luft nach Norden, der Höhentrog über dem Inneren Nordamerikas den Vorstoß polarer und arktischer Kaltluft nach Süden. Die unter der Trogvorderseite entstehenden Tiefdruckwirbel (Zyklonen) mit ihren typischen Warm- und Kaltfronten saugen gleichsam tropische Warmluft aus dem Golf von Mexiko an. Dadurch buchten sich die Juli-Isothermen über dem Osten der USA (westlich der Appalachen) nach Norden aus.

Durch die Lage und Gestalt des Kontinents, insbesondere aber durch die Nord-Süd-Erstreckung der Gebirgszüge entlang der Westküste, ist die Witterung sowohl in Nord- als auch in Südamerika das ganze Jahr über durch einen starken meridionalen Austausch polarer und tropischer Luftmassen geprägt. Dieser direkte Meridionalaustausch feuchtwarmer Luftmassen aus Äquatornähe und kalter Luftmassen aus den polaren Regionen führt zum Teil zu extremen Witterungserscheinungen und zur Ausbildung charakteristischer regionaler Windsysteme. So haben Blizzards und Northers in Nordamerika im Winter Kaltlufteinbrüche aus dem Norden zur Folge, die oft mit hohen Windgeschwindigkeiten und Schneefällen verbunden sind. Die Blizzards erreichen dabei oft die subtropischen Kulturen Floridas, der Einflussbereich der Northers reicht sogar bis nach Zentralmexiko.

In Südamerika treten solche Kaltlufteinbrüche aus den Polarregionen ebenfalls auf. Sie werden dort als Pamperos bezeichnet.

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Temperaturen

Diese Kaltluftvorstöße schlagen sich - neben der rascheren Auskühlung der Binnenländer - in der Temperaturverteilung im Januar nieder. Im Osten der Kordillere buchten die Isothermen zum Teil stark nach Süden aus. Durch die küstenparallelen Gebirge im Westen und Osten des Kontinents beschränkt sich der mildernde thermische Einfluss des Meeres nur auf einen schmalen Küstenstreifen, in dessen Bereich die Isothermen deutlich nach Norden ausgebuchtet sind.

Im Juli weiten sich über Nordamerika die Isothermen durch die raschere Erwärmung der Landmassen im Inneren des Kontinents und durch den wiederholten Vorstoß tropischer Luftmassen weit nach Norden aus. Die 25 °C-Isotherme reicht etwa bis zum 50. Breitengrad. Die mit den feuchtwarmen Luftmassen aus Süden verbundene starke Labilisierung begünstigt im Sommer die Entstehung von Tornados. Sie treten am häufigsten im Frühjahr und Frühsommer auf, wenn die thermischen und hygrischen Gegensätze zwischen trocken-kalter Luft aus dem Norden und feuchtwarmer Luft aus dem Golf von Mexiko maximal sind. Das Kerngebiet der Tornadogefährdung liegt im März zunächst im Bereich der Golfküstenstaaten, von wo es sich dann bis zum Hochsommer in das kontinentale Innere Nordamerikas ausdehnt. Die um eine vertikale Achse rotierende Luftsäule eines Tornados kann einen Durchmesser von über einem Kilometer erreichen, die Zugrichtung folgt stets der Höhenströmung von Südwest nach Nordost.

Im Sommer und Herbst können darüber hinaus bei Wassertemperaturen von 26 bis 27 °C in den feucht-warmen und labilen Luftmassen des karibischen Raumes tropische Wirbelstürme entstehen, die in Nordamerika als Hurrikane bezeichnet werden (vgl. Karte 211.5). In der übergeordneten tropischen Ostströmung wandern sie über die Karibischen Inseln bis zum amerikanischen Kontinent, wo sie beim Auftreffen auf das Land zum Teil verheerende Verwüstungen anrichten.

Charakteristisch für Südamerika ist der Übergang von den tropischen Tageszeitenklimaten zu den außertropischen Jahreszeitenklimaten. Während die Durchschnittstemperaturen in den äquatornahen Bereichen im Januar und Juli nur geringfügig differieren, zeigen sich dort im Tagesablauf mitunter erhebliche Temperaturamplituden. Mit zunehmender geographischer Breite nehmen die jahreszeitlichen Temperaturunterschiede zu. Dies wird jenseits der Wendekreise sowohl in Süd- als auch in Nordamerika deutlich.

Wesentlich markanter als die meridionalen Temperaturunterschiede ist besonders in Südamerika die thermische Höhenzonierung. Die Stufe der frostfreien Tieflandtropen werden dort als Tierra caliente (Jahresdurchschnittstemperatur von über 22 °C) und Tierra templada (16 bis 22 °C) bezeichnet. Im Bereich des Äquators erreicht diese Höhenstufe völliger Frostfreiheit etwa bis 2500 Meter und sinkt polwärts ab. Mit zunehmender Höhe gehen diese Warm- in die Kalttropen über. Bei Durchschnittswerten von 6 bis 16 °C treten im Bereich der Tierra fria bereits regelmäßig Fröste auf. In einer Höhe von etwa 3500 Metern wird in den äquatorialen Anden die Zone der Tierra helada mit durchschnittlich 0 bis 6 °C erreicht. Die Zahl der Frostwechsel- und Eistage steigt stark an. Die Tierra nevada kennzeichnet den Bereich ewigen Schnees und beginnt in den feuchten inneren Tropen bei etwa 5000 Metern.

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