Amazonien - Eingriff in den tropischen Regenwald

Brasilien

978-3-14-100700-8 | Seite 219 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 16.000.000
Amazonien | Eingriff in den tropischen Regenwald | Brasilien | Karte 219/4

Überblick


Amazonien ist mit einer Fläche von etwa 5,8 Millionen Quadratkilometern das größte tropische Regenwaldgebiet der Erde. Rund 75 Prozent der Fläche davon entfallen auf Brasilien. Die Region ist die Heimat einer reichen und vielseitigen Tier- und Pflanzenwelt. Zudem ist sie für das Weltklima von entscheidender Bedeutung.

Anfänge der Erschließung
Seit den 1970er-Jahren ist die Region durch massive legale und illegale Rodungen bedroht. Zu jener Zeit fand auch der Bau der durch das südliche Amazonien führenden Fernverkehrsstraße „Transamazônica“ statt.
Gefördert von der brasilianischen Regierung, wurde zudem in den 1970er Jahren im Bundesstaat Pará eine so genannte „Ruropolis“ erschlossen. Dieses Projekt hatte das Ziel, beiderseits der Transamazônica einen je 100 Kilometer breiten Landstreifen landwirtschaftlich zu durchdringen. Ein Vorhaben, das ebenfalls mit der Rodung von Regenwald verbunden war.

Ausweitung der Rodungsflächen
Auch in den folgenden Jahren kam es wiederholt zu weitflächigen Waldrodungen, um Flächen für den Ackerbau oder als Weideland zu schaffen. Die Gewinnung von Nutzhölzern wie Mahagoni und der außergewöhnliche Reichtum von Bodenschätzen wie Eisenerz, Gold Bauxit und Erdöl trugen ihren weiteren Teil dazu bei.
Mit der Ausweitung der Anbauflächen für Soja schreitet die Brandrodung weiter Flächen des Amazonasgebietes weiter voran. Soja wird als Kraftfutter in der Rinder- und Schweinemast, in der Lebensmittelindustrie sowie als Grundlage für Biokraftstoffe eingesetzt.
So hatte Brasilien bereits Ende 2006 etwa 13 Prozent seiner ursprünglichen Regenwälder verloren. Und es geht weiter: Allein im südlichen Bundesstaat „Mato Grosso“ wurde von August 2010 bis April 2011 fast die Hälfte der dort vorhandenen tropischen Waldflächen abgeholzt. „Mato Grosso“ ist für den Anbau von Soja bekannt.


K. Kremp, J. Seibel

Info Plus

Amazonien ist mit einer Fläche von etwa 5,8 Mio. km² das größte tropische Regenwaldgebiet der Erde. Es bedeckt rund ein Fünftel der Landfläche Südamerikas, wobei rund 75 Prozent auf Brasilien entfallen; das letzte Viertel verteilt sich auf die Nachbarländer Bolivien, Kolumbien, Ecuador und Peru. Amazonien ist die Heimat einer außerordentlich reichen und vielgestaltigen Flora und Fauna und zudem für das Ökosystem Erde, insbesondere für das Weltklima, von entscheidender Bedeutung. Bedroht wird die Region insbesondere seit den 1970er-Jahren durch die massiven, teils legalen, teils illegalen Rodungen, die in den letzten Jahren immer weiter fortgeschritten sind, obwohl ihre ökologischen Risiken außer Frage stehen.

Anfänge der Erschließung
Im Süden des Kartenausschnittes geht die Zone der tropischen Regenwälder in die Zone der Feuchtsavanne über. Beide Zonen sind aufgrund ihrer natürlichen und klimatischen Bedingungen hervorragend für die landwirtschaftliche Nutzung geeignet und wurden deshalb durch anthropogene Nutzung bereits sehr stark verändert und umgestaltet.
Die wirtschaftliche Ausbeutung Amazoniens begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Gewinnung von Kautschuk. Ihre zerstörerische Dynamik entfaltete sie aber erst ab etwa 1970, als mit dem Bau einer durch das südliche Amazonien führenden Fernverkehrsstraße, der "Transamazônica", begonnen wurde, die später durch weitere Fernstraßen ergänzt wurde. Gefördert von der brasilianischen Regierung, wurde in den 1970er-Jahren im Bundesstaat Pará zwischen Altamira und Itaituba eine "Ruropolis" erschlossen. Dieses Projekt hatte das Ziel, beiderseits der Transamazônica einen je 100 Kilometer breiten Landstreifen landwirtschaftlich zu durchdringen. Jeder Siedler, der sich an dem Kolonisierungsprojekt beteiligte, erhielt auf Kreditbasis 100 Hektar Land, ein einfaches Holzhaus, Werkzeuge und Saatgut, um etwa 50 Prozent der ihm übertragenen Fläche zu roden und zu bewirtschaften. Ähnliches galt auch für die beiden Zonen, die an diese kleinbäuerlichen Betriebsareale im Hinterland der Transamazônica anschlossen. Hier wurden Mittelbetriebe größerer Flächen eingerichtet.
Etwa 100 000 Familien sollten auf diese Weise angesiedelt werden, aber nur etwa 7000 beteiligten sich an diesem gewagten Unternehmen. Das Projekt scheiterte schließlich mehr oder minder, weil die Zahl der Abwanderer, die Amazonien wieder den Rücken kehrten, schon bald die der Zuwanderer übertraf. Ursachen des Misserfolgs waren zum Teil die unzureichenden Erfahrungen der Kolonisten mit der feuchttropischen Landwirtschaft, aber auch organisatorische Mängel, etwa kaum funktionierende Kooperativen und fehlende Absatzmöglichkeiten.

Ausweitung der Rodungsflächen
Auch wenn dieses eine Projekt scheiterte, kam es in den folgenden Jahren mit Unterstützung der Regierung zu weitflächigen Waldrodungen in den Randgebieten Amazoniens und längs der neu angelegten Straßentrassen. Viele dieser Rodungen wurden durch Agrarkolonisten durchgeführt (vgl. 219.5), die neue Landflächen für den landwirtschaftlichen Anbau oder die extensive Rinderzucht gewinnen wollten. Eine Hauptrolle spielte dabei in den letzten Jahren zum einen die Ausweitung der Anbauflächen für Soja, das als Kraftfutter in der Rinder- undSchweinemast, zunehmend aber auch als Grundlage für Energierohstoffe verwendet wird, zum anderen der Boom von Biokraftstoffen, weil die zu deren Produktion benötigte pflanzliche Biomasse, vor allem Zuckerrohr, aber auch Soja, unter tropischen und subtropischen Bedingungen gut gedeiht.
Ein weiteres wirtschaftliches Motiv war die Holzgewinnung, insbesondere die von Mahagoni, einem Hartholz von großer Haltbarkeit, das in den Industrieländern sowohl im Fester- und Türen- als auch im Möbelbau eine starke Verbreitung fand. Im Laufe der Zeit beteiligten sich weit mehr als 2000 Holzunternehmen, überwiegend ausländischer Herkunft, an der Ausbeutung des Tropenwaldes. Auch wenn Mahagoni-Holz inzwischen gesetzlich geschützt ist, geht der illegale Einschlag im großen Maßstab weiter.
Als eine dritte entscheidende Ursache für die Zerstörung der tropischen und subtropischen Wälder erwies sich ihr außergewöhnlicher Reichtum an Bodenschätzen. Durch die Entdeckung und bergbauliche Erschließung riesiger Eisenerzvorkommen und bedeutender Lagerstätten beispielsweise von Gold, Zinn, Asbest, Bauxit und Erdöl schritten die Eingriffe in den Regenwaldbestand immer weiter voran.
Allein in den Jahren 2005 und 2006 wurde in Brasilien ein Gebiet von der Größe Nordrhein-Westfalens abgeholzt. Diese großräumigen Rodungen haben dazu geführt, dass das Land Ende 2006 etwa 13 Prozent seiner ursprünglichen Regenwälder bereits verloren hatte. Im Bundesstaat Mato Grosso waren 1975 etwa 1 Prozent der Landfläche von den Rodungen betroffen, 1980 waren es bereits mehr als 6 Prozent, heute ist mehr als die Hälfte der ursprünglichen Regenwaldflächen Weide- und Ackerland gewichen. Ähnlich liegen die Verhältnisse in den Bundesstaaten Pará, Rondônia und Maranhão. In den Bundesstaaten Amazonien und Amapá ist der Waldanteil hingegen noch immer relativ groß.
K. Kremb

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Kuner Feedlot (Weld County, Colorado) - Rindermast

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Entwaldung in Mato Grosso 1992-2006

Der brasilianische Bundesstaat Mato Grosso hat großflächig Anteil am natürlichen Verbreitungsgebiet des tropischen Regenwaldes in Amazonien. Starke Rodungen haben in den letzten Jahren zu einem Rückgang des Regenwalted geführt. Die Satellitenbilder zeigen dies für einen Teil von Mato Grosso anhand eines Vergleiches der Waldbedeckung in den Jahren 1992 und 2006
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Kampf um den Regenwald

Kongo - Zentralafrika. Diese Region in der Nähe der Stadt Bumba nennt man auch den zweiten Lungenflügel der Erde. Nach dem Amazonas in Südamerika befindet sich hier das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet der Welt. Noch, muss man sagen, denn große Flächen wurden schon gerodet. Menschen setzen sich deshalb für den Schutz der Wälder ein. Einer von ihnen ist René Ngongo, er wurde für seine Arbeit sogar mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Im Regenwald, sagt er, gibt es heute keine Vögel und kaum noch andere Tiere. Sie sind geflüchtet, vor den Maschinen und vor den Waldarbeitern, die so viel Krach machen. Der Wald ist Lebensgrundlage auch für die Menschen. Er bietet Schutz und Nahrung. Wenn der Wald schrumpft, dann sind das allerdings düstere Aussichten.
René Ngongo, Umweltschützer: "Im Kongo hängen rund 40 Millionen Menschen vom Wald ab, direkt oder indirekt."
Die Holzfirmen nutzen den Wald selektiv. Pro Hektar werden nur wenige Bäume gefällt. Aber die Schneisen für die Fahrzeuge werden überall in den Regenwald geschlagen. Einen noch größeren Schaden als die Holzfirmen richtet die Landwirtschaft an. Die Menschen leben vom Boden, nach 1-2 Jahren ist er ausgelaugt, dann roden sie weitere Flächen für neue Felder und Dörfer.
René Ngongo will das ändern. Er hält heute ein Seminar zum Schutz des Regenwaldes. Um noch mehr zu erreichen, hat er sich mit Greenpeace zusammen geschlossen. Die meisten Anwesenden haben noch nie etwas von Klimawandel oder nachhaltiger Landwirtschaft gehört. Der Nobelpreisträger fährt auch in die Dörfer. Innerhalb weniger Minuten sind alle Bewohner zusammen gelaufen. Und er warnt, der Wald dürfe nicht für Ackerland geopfert werden. Doch er weiß selbst: was fehlt, sind Alternativen für die Zukunft.
René Ngongo, Umweltschützer: "Wir brauchen Lösungen, für die Menschen, die Gemeinden müssen Alternativen zur Abholzung finden, wir müssen der kongolesischen Regierung und den Geldgebern Vorschläge machen."
Die Situation ist schwierig, aber es steht fest: langfristig können sich Unternehmen und auch Bewohner eine Zerstörung des Regenwaldes nicht mehr leisten.
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Etappe bei der Zerstörung des tropischen Regenwaldes

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Zerstörung des intakten Ökosystems "Tropischer Regenwald"

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Entwicklung der jährlichen Entwaldung in den brasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso, Pará und Rondônia (1988 bis 2010)

Die brasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso, Pará und Rondônia nehmen große Anteile am Amazonasregenwald ein. Die Grafik zeigt die Entwicklung der jährlichen Entwaldung in diesen Bundesstaaten nach Angaben offizieller brasilianischer Institutionen.
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Entwicklung des Sojaanbaus in Brasilien

Der Sojaanbau in Amazonien konzentriert sich auf den Bundesstaat Mato Grosso. Die Grafik zeigt neben allgemeinen Informationen zur Sojabohne auch Daten, die die Entwicklung des Sojaanbaus seit 1961 deutlich machen.
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