Alberta (Kanada) - Ölsandabbau

Vereinigte Staaten von Amerika (USA)/Kanada - Wirtschaft

978-3-14-100700-8 | Seite 198 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 6.000.000
Alberta (Kanada) | Ölsandabbau | Vereinigte Staaten von Amerika (USA)/Kanada - Wirtschaft | Karte 198/1

Informationen

Die Förderung der Ölsandvorkommen in der rund 3,3 Mio. Einwohner (2006) zählenden kanadischen Provinz Alberta galt lange Zeit als wirtschaftlich unrentabel. Vor dem Hintergrund des steigenden Weltenergiebedarfs und der sich verknappenden konventionellen Erdölreserven stellt sich heute jedoch die Frage, ob nicht die Ölsande Albertas als eine ökonomisch interessante und gleichermaßen ökologisch wie sozial verträgliche Alternative die zeitliche Reichweite endlicher Energierohstoffe bedeutsam verlängern können.

Karteninhalte
Die Atlaskarte zeigt nicht nur die Lage der Ölsandvorkommen und der bereits existierenden oder geplanten Abbaugebiete in der dünn und nicht zusammenhängend besiedelten Geozone der borealen Nadelwälder im nördlichen Teil Albertas, sondern auch die zum Einsatz kommenden Abbau- und Fördertechniken. Sodann lässt sich die vorhandene Infrastruktur für den Transport und die Weiterverarbeitung in Form von Pipelines und Raffinerien erkennen. Ergänzend lassen die Karteninhalte Rückschlüsse auf die bestehenden Landnutzungskonflikte bzw. auf die landschaftsökologischen Folgen eines Ölsandabbaus in Alberta zu. Dazu zählen die Eingriffe des Tagebaus in den Landschaftshaushalt des borealen Nadelwaldes, die Gefährdung des Wood Buffalo National Parks durch eine Verschmutzung des Athabasca River und nicht zuletzt die möglicherweise negative Auswirkung auf Karibubestände. Auch wirft die Nähe der Abbau- oder Fördergebiete zu den Indianerreservaten die Frage nach einer Berücksichtigung der Rechte der "First Nations" auf, der indianischen Ureinwohner in dieser Region.

Fakten und Fördertechniken
In der kanadischen Prärieprovinz Alberta befinden sich auf einer Fläche von etwa 140 000 km² — dies entspricht etwa 40 Prozent der Staatsfläche Deutschlands — die weltweit größten förderbaren Ölsandvorkommen. Verteilt sind sie auf die drei Abbaugebiete Athabasca bei Fort McMurray, Wabasca-Desmarais sowie auf das Gebiet Peace River und Cold Lake, wo es auch Schwerstölvorkommen gibt. Obwohl nur rund 12 Prozent der Ölsande mit heutigen Techniken als förderbar gelten, wird die in diesen Abbaugebieten erreichbare Ölmenge auf etwa 25 Mrd. Tonnen geschätzt. Damit besitzt Kanadas "Energy Province" Alberta nach Saudi-Arabien (36 Mrd. Tonnen) und noch vor Ländern wie Iran (19 Mrd. Tonnen), Irak (16 Mrd. Tonnen), Kuwait (14 Mrd. Tonnen) und den Arabischen Emiraten (13,7 Mrd. Tonnen) die zweitgrößten Förderreserven der Welt.
Ölsande sind Gemische aus Bitumen, Sanden, Tonen und Wasser. Zwei Tonnen Ölsand enthalten etwa ein Barrel (159 Liter) Öl. Unter natürlichen Lagebedingungen ist Bitumen als zähplastische, sirupartige Form von Erdöl nicht fließfähig. Es muss erhitzt oder verdünnt werden, um in einer Bohrung oder Pipeline fließen zu können. Insofern ist die Gewinnung von Öl aus Ölsanden grundsätzlich teurer als die Förderung konventionell förderbarer Erdölquellen.
Seit 1967 werden die Ölsande Albertas in (inzwischen) drei Großanlagen im Tagebau mittels riesiger Bagger abgebaut. In Separationsanlagen wird noch vor Ort das Bitumen nach Zugabe von heißem Wasser von den Sanden und Tonen getrennt. In weiteren sehr energieaufwendigen Aufbereitungsschritten werden Verunreinigungen durch Schwefel extrahiert und fließfähiges synthetisches Leichtöl hergestellt. Zur Weiterverarbeitung in Mineralölendprodukte wie Diesel, Benzin, Kerosin usw. wird dieses Leichtöl zu rund 70 Prozent per Pipeline in den Mittleren Westen bzw. an die Westküste der USA exportiert; die übrigen 30 Prozent gelangen zu Raffinerien in Edmonton und in der Provinz Ontario. Die US-amerikanischen Importe synthetischen, aus Ölsanden gewonnnen Rohöls aus Kanada sind schon heute größer als die Erdöleinfuhren aus Saudi-Arabien. Kanada plant, größere Mengen synthetischen Erdöls zukünftig nach Japan und China zu exportieren.
Außerhalb des Abbaugebietes von Fort McMurray befinden sich die bitumenhaltigen Ölsande in einer Tiefe von mehr als 50 Metern. Eine Förderung kann hier nicht mehr im Tagebau, sondern nur mittels eines besonderen Verfahrens, der sogenannten In-Situ-Förderung, erfolgen. Die Sande bleiben bei diesem Verfahren in der Tiefe. Im Zuge von Bohrungen wird heißer Wasserdampf in die Ölsandschicht injiziert, wodurch das Bitumen fließfähig wird und mithilfe weiterer Bohrleitungen zu Tage gefördert werden kann.
W. Hoppe

Materialien zu dieser Karte

Weitere Materialien

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Kuner Feedlot (Weld County, Colorado) - Rindermast

http://www.fiveriverscattle.com
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Ölsandabbau am Athabasca - Satellitenbildvergleich

In dieser Animation ist am Satellitenbild der Vergleich der Jahre 1984 und 2011 der Region rund um Fort McMurray am Athabasca möglich. Deutlich ist das Ausmaß der Einflüsse auf den borealen Nadelwald zu erkennen.
Zur Nutzung dieser Animation ist mindestens Adobe Acrobat 9.x erforderlich.
Bildquelle: Nasa Earth Observatory (created by Robert Simmon)
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Kanadas Moore vor dem Ende - Radiobeitrag im Deutschlandfunk

Kanadas Moore vor dem Ende (Deutschlandfunk vom 13.03.2012) Ökologische Bilanz der Ölsand-Gewinnung noch schlechter als bekannt. Umwelt.- Kanada hat den Abbau von Ölsanden als lukrative Alternative zur herkömmlichen Erdölförderung entdeckt. In der Provinz Alberta werden 475.000 Hektar Land nach und nach in eine Mondlandschaft verwandelt. Für die lokale Vegetation bedeutet dies das Ende - und auch für die Moore.
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Medienschlagzeilen zum Thema Ölsandabbau in Kanada

In der folgenden Worddatei finden Sie eine Zusammenstellung von Schlagzeilen aus Zeitungen und Zeitschriften zum Thema Ölsand.
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Boomtown McMurray

Riesige Ölvorkommen machten aus dem kleinen Nest Fort McMurray in der kanadischen Provinz Alberta die Boomtown schlechthin. Noch vor 10 Jahren galt das ehemalige Trapperdorf als verschlafene Kleinstadt in der Wildnis. Inzwischen hat sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. Den Zuwachsraten stehen die Folgen des Booms gegenüber.
O-Ton, Melissa Blake, Bürgermeisterin: "Wir sind extrem gefordert: Uns fehlen Mitarbeiter, die Steuereinnahmen sind zu gering und alles passiert zur selben Zeit. Wir brauchen nicht eine Straße sondern 10. Wir brauchen kein normales Krankenhaus, sondern eins für 100.000 Menschen. Die Wasser- und Abwasserversorgung der Stadt muss funktionieren, sonst geht etwas schief."
Das größte Problem: Die Wohnungsnot. Es gibt nicht genügend Raum für all die Glückssucher. Tausende Ölarbeiter führen ein provisorisches Leben auf dem Campingplatz. Um die Wohnungsnot einigermaßen zu lindern, werden jährlich etwa 1600 dieser Häuser hochgezogen. Gebaut wird auch bei minus 30 Grad. Das Wachstum kennt keine Gnade. Erst recht nicht bei den Preisen: In fünf Jahren stieg der Wert eines Einfamilienhauses von 100.000 auf über 600.000 Dollar. In Kanadas teuerstem Ort findet trotzdem jedes Haus sofort einen Käufer. Wer nicht bereit ist so viel Geld auszugeben, der findet vielleicht ein kleines Zimmer in den Camps der Ölfirmen.
Bis zu 20.000 Menschen wohnen in diesen Containern. Sie kommen nicht um hier zu leben sondern um zu arbeiten. Denn im Ölbusiness sind die Gehälter sehr hoch. Hier verdient man umgerechnet 100.000 Euro pro Jahr. Kein Wunder, dass in dieser Stadt keiner mehr als Kellner, Elektriker oder Arzt arbeiten will. Die meisten wollen nur das eine: Möglichst schnell zum großen Geld kommen. Und dafür stehen sie hier morgens und abends stundenlang im Stau. Viele wollen in der Ölindustrie nur so lange arbeiten, bis sie ihr Konto gut gefüllt haben.Doch das schelle Geld hat seine Schattenseiten: Die Drogen- und Kriminalitätsrate von Fort Mc Murray zählt zu den höchsten in Kanada. Die Ölsandindustrie hat das Leben in Fort Mc Murray auf den Kopf gestellt. Die Stadt, die im Volksmund längst Fort Mc Money heißt, kämpft mit den Schattenseiten des Ölbooms.
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Forschen für eine saubere Umwelt

In rasantem Tempo sind in Kanada Ölsandförderanlagen aus dem Boden geschossen. Die hohen Ölpreise befeuern eine Industrie, für die es scheinbar kein Morgen gibt. So schrauben die Öl-Multis im Jahresrhythmus ihre Ausbeute nach oben - auf Kosten der Umwelt. In der Provinz Alberta, in Westkanada, liegt der wohl größte künstliche Giftsee der Welt, und Tag für Tag wird er ein bisschen größer. Der See dient sozusagen als riesige Giftmüllhalde für den toxischen Schlamm, der bei der Herstellung von Öl aus Ölsand entsteht. Wie diese Giftbrühe jemals entsorgt werden soll, ist unklar. Klar ist nur, es muss sich etwas ändern.
Die Verarbeitung des Ölsands optimieren und sauberer machen, dass ist Ziel eines eigenen Forschungszweiges an der Universität Alberta. Die Wissenschaftler arbeiten daran, Treibhausgase unterirdisch zu deponieren, statt sie in die Luft zu pusten. Das Ziel: Kohleflöze als Endlager. Bislang lassen sich die Abgase allerdings nur im Labormaßstab unter Hochdruck in Kohle pressen.
O-Ton Rick Chalaturnyk, Forscher: "Später, im großen Maßstab muss sich das eingeleitete CO2 im Kohleflöz verteilen und das ist ziemlich kompliziert. Wir erforschen hier, wie durchlässig Kohle ist und wie sehr sie sich verändert."
Bis dieses Verfahren in der Praxis anwendbar ist, können noch 10-20 Jahre vergehen.
Die Technik zur Lösung aller Sorgen der Ölsandindustrie, steckt noch in den Kinderschuhen. Im Labor nebenan versuchen die Forscher den hohen Wasserverbrauch durch besseres Recycling in den Griff zu bekommen. Das Problem: Jedes Jahr verbraucht die Ölsandindustrie mehr Wasser, als die Millionenstadt Calgary. Dabei hängt der Wasserverbrauch auch mit dem CO2-Ausstoß zusammen: Würde weniger Wasser verbraucht, bräuchte man weniger Gas zum Erhitzen. Der Forscher Nicholas Beyer hat sich dieses Problems angenommen. In Tests führt er den, bei der Ölsandproduktion anfallenden Giftschlamm unter hohem Druck durch ein poröses Rohr. Durch diesen speziellen Filterprozess wird relativ klares Wasser zurück gewonnen, das dann wieder in den Produktionsprozess fließen kann.
O-Ton Nicholas Beyer: "Ich bin ziemlich gespannt, aber es sieht so aus, als ob die Technik Zukunft hat. Wir müssen natürlich noch daran arbeiten unsere Entwicklung auf Industriemaßstab zu übertragen. Aber mit dem entsprechenden Einsatz könnte das gelingen."
Nicht nur die Wissenschaftler, auch die Umweltschützer wünschen sich schnelle Fortschritte. Denn sollte nicht bald etwas geschehen, wird der Ölabbau von Alberta zum Synonym für eine unverantwortliche Umweltzerstörung.
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Graphiken

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Anteil der Länder an den Welterdölreserven

Die Grafik enthält die Länder mit den größten Erdölreserven (einschließlich Ölsand und Schwerstöl). Dargestellt sind bekannte Lagerstätten, die nach gegenwärtigem Stand der Technik wirtschaftlich genutzt werden können.
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Geologisches Profil durch eine Ölsandlagerstätte in Alberta (Kanada)

In der Abbildung ist das geologische Profil der Ölsandlagerstätten dargestellt. Darin wird deutlich, dass der Ölsand im Tal des Athabasca River direkt an der Erdoberfläche liegt. In allen anderen Abbaugebieten in Alberta liegt der Ölsand in tieferen Schichten. Warum nur in Fort McMurray am Athabasca der Ölsand im Tagebau abgebaut werden kann ist offensichtlich: Die Abtragung des Deckgebirges und den Einschnitt in die tiefer liegenden Formationen hat der Athabasca River übernommen. In den anderen Abbaugebieten Wabasca, Cold Lake und Peace River muss der Ölsand mit In-situ-Verfahren gefördert werden.
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