Al Hasa - Quelloase

Golfstaaten

978-3-14-100700-8 | Seite 163 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 375.000
Al Hasa | Quelloase | Golfstaaten | Karte 163/1

Informationen

Von der großen Landfläche Saudi-Arabiens, das rund 2 Mio. Quadratkilometer umfasst, kann nur etwa 1 Prozent landwirtschaftlich genutzt werden, der Rest ist überwiegend Wüste. Siedlungen und Landwirtschaft sind deshalb an das Vorkommen von Oasen mit ihren erschließbaren Wasservorräten gebunden. Al Hasa in der Golfregion Saudi-Arabiens ("Eastern Province") auf dem 25. nördlichen Breitengrad ist eine der größten und ältesten Oasen des Mittleren Ostens, deren Besiedlung und Nutzung bis in die Antike zurückreicht.

Klima und Nutzung
Die etwa 100 Kilometer von der Golfküste entfernte Oase besteht aus mehreren kleinen Städten und Gemeinden mit den Hauptzentren Al Hufuf und Al Mubarraz. Sie wird heute von rund 650 000 Menschen bewohnt. Bedeutendster Wirtschaftszweig neben der Ölindustrie ist vor allem die Landwirtschaft, in der die Dattelpalme eine wichtige Rolle spielt.
Die Böden der Oase sind nur geringmächtig und können hohe Lehm- und Tonanteile aufweisen. Oft sind sie mit Sandschichten überdeckt. Grundlage der Wasserversorgung sind mehrere Wasser führende Bodenschichten. Aus etwa 30 artesischen Quellen steigt das Wasser an die Oberfläche. Der Grundwasserspiegel ist jedoch in den letzten Jahren dramatisch gesunken, weshalb das kostbare Nass aus immer größeren Tiefen nach oben gepumpt werden muss.
In der Region herrscht ein subtropisch-tropisches Übergangsklima. Die Temperaturschwankungen sowohl im Jahres- als auch im Tagesverlauf sind erheblich. Die mittlere Temperatur im Dezember liegt bei 15 °C, im August jedoch über 30 °C. Im Sommer sind 50 °C in Bodennähe keine Seltenheit.
Die jährlichen Niederschläge fallen im Winter und liegen bei lediglich 70 Millimetern. Aufgrund der intensiven Sonneneinstrahlung liegt die potenzielle Evaporation (= Wasserdefizit) bei 3470 Millimetern!
Dattelpalmen sind in der Oase die wichtigste Dauerkultur; derzeit soll es rund 2,5 Mio. Bäume in Al Hasa geben. Daneben werden verschiedene Zitrusfrüchte wie Orangen und Limetten sowie Jujube, eine salzresistente Obstart aus Indien, angebaut. An landwirtschaftlichen Kulturen finden sich vor allem Reis und Futterpflanzen wie Luzerne, in jüngster Zeit zunehmend auch Gemüse und Weizen. Große Bedeutung hat heute neben der Dattelverarbeitung auch die Milchproduktion und die Erzeugung von Schaf-, Rinder- und Geflügelfleisch.

Vorzüge und Risiken
Die ausgedehnten Be- und Entwässerungsanlagen wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren mit deutscher Beteiligung geplant und errichtet. Heute fördern die Pumpen rund 200 Mio. Kubikmeter Wasser pro Jahr, um eine Fläche von 16 000 Hektar zu bewässern. Das Wasser steht den Landwirten kostenlos zur Verfügung. Die Be- und Entwässerungskanäle haben eine Länge von etwa 1500 Kilometern. Die Entwässerungskanäle münden in Verdunstungsseen, die am Ostrand der Oase in ehemaligen Trockentälern, sogenannten Wadis, angelegt wurden. Ohne Entwässerung würde das Quellwasser nicht ablaufen können, die Folgen wären Sumpfbildung und eine rasche Bodenversalzung. Entlang der Kanäle und Seen breiten sich dichte Bestände des Schilfrohrs Phragmites communis aus, die vogelreichen Seengebiete sind heute beliebte Jagdreviere.
Die zahlreichen Dattelpalmenpflanzungen bieten den Stadtbewohnern auch Erholungsmöglichkeiten und Rückzug aus den im Sommer überhitzten Stadtgebieten. Viele Hausbesitzer vermieten ihre Anwesen für Wochenendaufenthalte und Familienfeiern. Bemerkenswert ist auch die alte Burg (Kastell) in Al Hufuf, die vollständig erhalten und aus Lehm gebaut ist.
Zum Schutz vor der fortschreitenden Desertifikation durch die Ausbreitung von Wanderdünen wurden die Randbereiche der Oase zwischen Al Kilabiya und Al Umran mit Tamarisken, einer sehr trocken- und salzresistenten Baumart, bepflanzt. Die Eisenbahntrasse und einige Straßen wurden in den 1970er-Jahren zum Schutz vor Übersandung durch Aufsprühen von Rohöl auf die Randstreifen gesichert. Die auf der Karte erkennbare Eisenbahnlinie von Riyadh nach Damman ist die einzige des Landes.
Aufgrund der intensiven Nutzung sinkt der Grundwasserspiegel seit einigen Jahren kontinuierlich. Das abnehmende Wasserangebot schafft zunehmend Probleme für die landwirtschaftliche Produktion. Wegen der fortschreitenden Bodenversalzung mussten bereits einige Anbauflächen aufgegeben werden. Gründe für den erhöhten Anteil vor allem von Natrium- und Kalziumsalzen sind der ansteigende Salzgehalt im Quellwasser sowie die Nutzung nicht zeitgemäßer Bewässerungsmethoden wie traditioneller Anstauverfahren.
Vielfache Anstrengungen werden deshalb von der King Faisal Universität und dem National Date Palm Research Center in Al Hufuf unternommen, um Möglichkeiten zur Wassereinsparung in der Pflanzenproduktion aufzuzeigen. Dazu gehört zum Beispiel die Verwendung moderner Bewässerungsverfahren wie Kreisregner oder Mikro- bzw. Tropfbewässerung.
G. Ebert

Graphiken

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Ernte von Dattelfrüchten

Dattelpalmenpflanzungen in der Oase Al Hasa Foto: G. Ebert, Kassel
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Dattelpalmenpflanzungen neben einem Reisfeld in der Oase Al Hasa

Foto: G. Ebert, Kassel
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Dattelpalmenpflanzungen in der Oase Al Hasa

Blick vom Sandsteinberg Jebel Qarah (239 m) Foto: G. Ebert, Kassel
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