Agrarregionen

Erde – reale Vegetation/Landnutzung

978-3-14-100782-4 | Seite 177 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 180.000.000
Agrarregionen |  | Erde – reale Vegetation/Landnutzung | Karte 177/3

Informationen

Die Karte zeigt die Agrarregionen der Erde nach den jeweils vorherrschenden Formen der Landnutzung (Arten der Bodenbewirtschaftung und Viehhaltung, gemischte Formen). Zusätzlich ausgewiesen sind die Holzwirtschaft und Jagd in borealen Nadelwäldern. Dargestellt werden ausschließlich flächenhaft verbreitete Nutzungsformen in ihrer überwiegend zonalen Anordnung. Punktuelle Erscheinungsformen wie Oasen konnten nicht berücksichtigt werden.

Die Agrarregionen
Beiderseits des Äquators in den Gebieten des tropischen Regenwaldes herrscht die Landwechselwirtschaft vor. Da die Böden dieser Region von geringer Fruchtbarkeit sind, benötigen sie längere Brachezeiten. Eine für die letzten Regenwälder in dieser Region — bei mittleren und hohen Bevölkerungsdichten — sehr bedenkliche Folge der geringen Bodenfruchtbarkeit ist der Wanderfeldbau, bei dem durch Brandrodung ständig neue Freiflächen geschaffen werden, die dann für kurze Zeit dem Plantagen- und Ackerfeldbau dienen.
In den übrigen Tropen stehen die agrarischen Nutzungsmöglichkeiten und -formen in Abhängigkeit von Menge und Verteilung der Niederschläge. Sie reichen vom ganzjährigen Anbau mit mehreren Ernten in den immerfeuchten Tropen über den Anbau in der niederschlagsreicheren Jahreszeit mit ein bis zwei Ernten in der Feuchtsavanne bis zu Nutzungsformen der niederschlagsärmeren Trockensavannen. In der traditionellen Landwirtschaft der Tropen werden vor allem Feldpflanzen für die Nahrungsmittelversorgung angebaut. Hinzu kommen Marktprodukte unterschiedlicher Art. Die Durchmischung mit Viehhaltung nimmt in den trockeneren Regionen immer stärker zu.
Die Landnutzung in den Subtropen ist vielfältig. In den maritimen und kontinentalen Varianten dieses Landschaftsgürtels gibt es spezialisierte und gemischte Formen der Agrarwirtschaft. Eine besondere Form der Bewässerungswirtschaft ist der in Ost- und Südostasien weit verbreitet Nassreisanbau; regional bedeutsame Vorkommen finden sich auch an der Ostküste Südamerikas. Ansonsten wird in Südamerika, ähnlich wie im mittleren und westlichen Nordamerika, in Südwestafrika und in großen Teilen Australiens extensive, meist stationäre Weidewirtschaft betrieben. Verschiedene Formen spezialisierter Farmwirtschaft ergänzen die genannten Gebiete.
Gemischte Landwirtschaft mediterraner Prägung ist rund um das Mittelmeer und in kleineren Regionen an den Westküsten der übrigen Kontinente anzutreffen.
Sehr übersichtlich erscheinen im vorgegebenen Kartenmaßstab die Agrarregionen der gemäßigten Breiten. Von den Trockengebieten Innerasiens und den intramontanen Becken Nordamerikas abgesehen, beherrschen drei Nutzungsformen das Landschaftsbild agrarischen Handelns. In Europa und Ostasien dominieren Varianten der gemischten Landwirtschaft mit unterschiedlichen Akzentuierungen in Ackerbau, Viehhaltung und Teilspezialisierungen, während in den ozeanisch geprägten Gebieten und den größeren Höhenlagen Europas, Nordamerikas und Südostaustraliens die intensive Grünlandwirtschaft vorherrscht. Die dritte Agrarregion ist die Zone des borealen Nadelwalds auf der Nordhalbkugel, die allerdings als nur eingeschränkt ackerbaufähig bewertet werden muss.
H.-M. Cloß

Graphiken

Bild

Wechsel von der shifting cultivation zur Agrarkolonisation

Der heutige tropische Ackerbau ist vielfach gekennzeichnet durch moderne Agrarkolonisation, wie zum Beispiel entlang der Transamazonica in Brasilien oder der Kakao- und Kaffeekolonisation in Westafrika. Damit einher gehen eine zunehmende Marktproduktion und Globalisierungsdruck. Dadurch nehmen die ökologischen und wirtschaftlichen Probleme der Bauern in der Regel zu. Dazu zählen unter anderem die Monokulturen mit einem relativ leichten Krankheitsbefall der jeweiligen Anbaufrucht, mit Bodenerschöpfung und Bodendegradation, was langfristig zur Zerstörung der ackerbaulichen Grundlage führt. Darüber hinaus bedeutet die Marktproduktion häufig Verschuldung bis Missernte und Abhängigkeit vom Markt, zum Beispiel durch wechselnde Preise und sich wandelnde Geschmäcker der Verbraucher.
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