Afrika - Wirtschaft (Übersicht)

Afrika - Wirtschaft

978-3-14-100381-9 | Seite 128 | Abb. 1
Afrika | Wirtschaft (Übersicht) | Afrika - Wirtschaft | Karte 128/1

Überblick

Jahrhundertelang hatte Afrika für die Weltwirtschaft nur als Lieferant von Gold, Elfenbein und Sklaven Bedeutung. Im 19. Jahrhundert teilten die Kolonialmächte den Kontinent unter sich auf, um die Rohstoffe auszubeuten. Die industrielle Entwicklung wurde dabei weitgehend vernachlässigt. Bis heute ist die Landwirtschaft in vielen afrikanischen Ländern der wichtigste Wirtschaftszweig.

Regionale Unterschiede

Regionen mit höherem Bergbau-, Industrie- und Dienstleistungsanteil existieren in Afrika nur inselhaft. Dass große Teile der Bevölkerung vom informellen Beschäftigungssektor (ungeregelter Kleinerwerb der armen Bevölkerungsschichten, der nicht staatlich erfasst wird) leben, kann die Karte nicht darstellen. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung bestehen beträchtliche regionale Unterschiede. Die reichsten Regionen befinden sich nördlich der Sahara und im Süden des Kontinents. Nordafrika war für lange Zeit eng mit der Wirtschaft Europas und des Nahen Ostens verbunden. Südafrika und Botsuana sind die wirtschaftlich am weitesten entwickelten Staaten im Süden. Die städtischen Regionen in Afrika, insbesondere die Hauptstädte, sind meist erheblich besser entwickelt als die ländlichen Gebiete.

Industrie

Die Industrie ist in Afrika stark auf Standorte an der Küste konzentriert, an denen zur Kolonialzeit Gewerbebetriebe entstanden; daneben gibt es einige Standorte im Binnenland. Bemerkenswert ist die sektorale Gliederung: An allen Standorten gibt es eine Textil-, Bekleidungs- und Lederbranche, die typische „Dritte-Welt-Produkte“ für den Export und Binnenmarkt produziert. Hinzu kommt die Nahrungs- und Genussmittelerzeugung für den Binnenmarkt (zum Beispiel Mehl, Fette, Getränke, Zigaretten). Die industrielle Fischverarbeitung geschieht vorwiegend für den Export, der Fischverzehr in Westafrika wird aus Flüssen, Seen und über Importe gedeckt. Erdölraffinerien beliefern den Binnenmarkt, in Nordafrika und Nigeria sind sie auf den Export ausgerichtet. Hinter der Signatur „Chemie, Kunststoffe“ verbergen sich zum einen export- und binnenmarktorientierte Großanlagen der Kunstdüngerindustrie, vor allem aber mittlere und kleine Produzenten von Farben und Lacken, pharmazeutischen Produkten und Kunststoffrohren. Mit der Bezeichnung „Metallindustrie, Maschinenbau“ sind nur selten Konzerne von europäischem Zuschnitt gemeint, sondern meist kleine bis mittlere Unternehmen, die für den lokalen oder regionalen Markt arbeiten (vor allem im Metallbau). Verteilung und sektorale Gliederung zeigen, dass Afrika im globalen Vergleich eine sehr geringe Industrialisierung aufweist. Der Bedarf der Bevölkerung mit sehr geringer Kaufkraft wird weitgehend durch Produkte des informellen Sektors (Handwerk) oder geschmuggelte Importwaren gedeckt.

Bergbau

Afrika ist reich an Bodenschätzen. Einige Gebiete haben große Bedeutung für den Weltmarkt, darunter die Energieregionen in Nord-, West- und Zentralafrika (Erdöl, Erdgas) sowie Südafrika (Steinkohle, Uran), die Edelmetallregionen in Südafrika (Gold, Platin) und in Westafrika (Gold), die Diamantregionen in Süd-, Zentral- und Westafrika sowie die Metallregionen Süd- und Zentralafrikas. Marokko ist ein wichtiger Phosphatproduzent mit bedeutenden Reserven in der besetzten Westsahara. Weitere Bergbauprodukte sind Ton, Glimmer, Schwefel, Salz, Natron, Graphit, Kalkstein und Gips. Die bergbaulichen Ressourcen waren eine Hauptursache für die koloniale Erschließung Afrikas im 19. Jahrhundert, heute sind sie ein wichtiger Grund für die fortdauernde Ausbeutung durch multinationale Konzerne. Zugleich sind sie für viele Länder das wertmäßig wichtigste Exportgut. Infolge des Bergbaus entstanden städtische Agglomerationen in Süd- und Zentralafrika, viele Verkehrslinien sind auf die Bergbauzentren ausgerichtet. Der Bergbau schafft Arbeit und (zumeist sehr ungleich verteilten) Wohlstand, erzeugt aber auch Umweltschäden durch Raubbau, bürgerkriegsartige Zustände („Blutdiamanten“, Kontrolle der Abbaugebiete durch Rebellen/Milizen) und massive soziale Konflikte (Vertreibung, Kinderarbeit …).

Dienstleistungen

Die wenigen ausgesprochenen Dienstleistungszentren Afrikas zeigen eine Orientierung auf Politik, Kultur, Bildung und Medien. Finanzzentren wie Johannesburg und Lagos oder Schwerpunkte unternehmensnaher Dienstleistungen wie Accra sind Ausnahmen. Mit Johannesburg und Kairo gibt es nur zwei Dienstleistungszentren von internationaler Bedeutung – ein Kennzeichnen für die geringe Einbindung Afrikas in die Globalisierung.

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