Afrika südlicher Teil - Wirtschaft

Afrika südlicher Teil – Wirtschaft

978-3-14-100782-4 | Seite 142 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 16.000.000
Afrika südlicher Teil | Wirtschaft | Afrika südlicher Teil – Wirtschaft | Karte 142/1

Informationen

Ähnlich wie in den nördlichen Teilen Afrikas spielt die Industrie auch in der Südhälfte des Kontinents nur eine untergeordnete Rolle. Die Übersichtskarte zeigt eine deutliche Häufung von Bergbau- und Industriesymbolen einzig in einem schmalen Landstreifen, der vom südlichen Zentralafrika bis nach Südafrika reicht. In Gegensatz dazu stehen die Regenwälder, die ausgedehnten Feucht- und Trockensavannen Zentral- und Ostafrikas ebenso wie die Halb- und Sandwüsten im Nordosten und Südwesten, in denen es nahezu gar keine Industrie gibt. Auch die Landwirtschaft ist in der Südhälfte des Kontinents sehr ungleich verteilt.

Bergbau und Industrie
Die Anzahl und Größe der Symbole für Bodenschätze, Industriebetriebe und Anlagen für die Energieproduktion lässt die wirtschaftliche Bedeutung des Bergbaus in der Region zwischen dem südlichen Kongo und dem Kap der Guten Hoffnung erahnen. Sambia und die Republik Kongo gehören zu den internationalen Hauptproduzenten von Kupfer, das frühere Zaire zählt zugleich zu den wichtigsten Lieferanten von Diamanten und Kobalt weltweit.
Simbabwe verfügt über eine breite Palette von Bergbauprodukten. Botsuana ist in den 1990er-Jahren zum weltweit wichtigsten Lieferanten von Diamanten aufgestiegen; trotz bedeutender Nickel-, Kohle- und Kupfervorkommen sorgen die Edelsteine für mehr als drei Viertel der Exporterlöse. Auch in Namibia stehen Diamanten an erster Stelle, daneben werden Gold und Silber, Uran, Kupfer, Blei und Zink gewonnen. Angola einschließlich seiner Exklave Cabinda gehört wie Gabun zu den führenden Erdölproduzenten Afrikas.
Alle diese Staaten werden hinsichtlich der Vielfalt, der weltwirtschaftlichen Bedeutung und der Reserven ihrer Bodenschätze von Südafrika übertroffen. Das am stärksten industrialisierte Land des Kontinents verfügt über einen ungewöhnlich hohen Reichtum von mehr als fünf Dutzend verschiedenen mineralischen Rohstoffen, darunter Diamanten, Gold, Uran und diverse Erze. Die Landwirtschaft ist dank künstlicher Bewässerung so ertragreich, dass sie nicht nur den Bedarf der Bevölkerung deckt, sondern zusätzlich noch Überschüsse für den Export erzielt. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind darüber hinaus die Viehwirtschaft zur Milch-, Fleisch- und Wollerzeugung und der Fischfang.
Auf der Grundlage des Bergbaus und der damit einhergehenden Bevölkerungskonzentration in den Abbaurevieren entstand in Südafrika, Simbabwe, Nordsambia und dem Süden Kongos eine Konsumgüterindustrie wie kaum an einem anderen Ort in Afrika.
Darüber hinaus hat sich zum Teil in Simbabwe, vor allem aber in Südafrika — begünstigt durch die internationaler Boykottmaßnahmen gegen das Apartheidsystem — neben einer Grundstoffindustrie ab den 1960er-Jahren auch eine Produktionsgüterindustrie in den Bereichen Fahrzeugbau, Elektroindustrie und Rüstungsindustrie entwickelt. Südafrika hat schon früh in viele afrikanische Länder exportiert; die Haupthandelspartner heute sind die USA, Deutschland, Großbritannien und Japan.

Land- und Viehwirtschaft
Die Anordnung von Vegetation und Bodennutzung weist nicht jene breitenparallele Zonierung auf wie im nördlichen Teil Afrikas. Dies ist zum einen bedingt durch das tropische Tiefland des Kongo-Beckens und die Hochländer des östlichen und südlichen Afrikas, zum anderen durch die längenparallele Anordnung der Vegetations- und Bodennutzungsgebiete im südlichen Afrika.
Der Gegensatz zwischen der ariden Westseite und der humiden Ostseite mit dem semiariden Binnenraum ist bedingt durch die Lage in der südhemisphärischen Trockenzone mit dem kalten, die Trockenheit noch verschärfenden Benguela-Strom auf der Westseite und dem warmen, Feuchtigkeit liefernden Agulhas-Strom auf der Ostseite des Kontinentes.
Die landwirtschaftlichen Aktivitäten sind sehr ungleichmäßig verteilt: Im tropischen Regenwaldgebiet tritt punktuell Landwechselwirtschaft und Plantagenwirtschaft auf. Die Nutzungsschwerpunkte intensiver Landnutzung und Plantagenwirtschaft sind in der Karte hervorgehoben.
Ursächlich für die heutige Verteilung der Gebiete tropischer Landwechselwirtschaft bzw. intensiver Landwirtschaft sind verschiedene Faktoren. Grundsätzlich ermöglichen tropische Höhengebiete eine Kombination von Ackerbau und Viehhaltung. Diese Gunsträume haben in der Kolonialzeit vor allem in Kenia, Angola, Simbabwe und Sambia eine verstärkte Ansiedlung weißer Farmer erlebt. Die von ihnen begründete Intensivlandwirtschaft wurde nach der Unabhängigkeit weitergeführt, oft auch von afrikanischen Farmern.
In Südafrika sind das "Maisviereck" auf dem Hochland sowie die Weizen-, Wein- und Obstbaugebiete im Südwesten noch "weißes" Farmland; agrartechnisch sind sie der amerikanischen Landwirtschaft vergleichbar. An der Küste und an den Ufern der großen Ströme im südlichen Afrika kam es ab der Kolonialzeit zur Ausbreitung der Plantagenwirtschaft, kultiviert wurden Ölpalmen, Kautschuk, Kaffee, Zuckerrohr und Sisal. In Zentralafrika ist die Plantagenwirtschaft in den letzten Jahren aufgrund der Vernachlässigung der Neupflanzungen und des Verkehrswesens zurückgegangen, in Ost- und Südafrika ist es hingegen zur Steigerung der Deviseneinnahmen und zu einer Ausweitung der Plantagen gekommen.
Die Viehwirtschaft wird auch südlich des Äquators erheblich durch die Verbreitung der Tsetsefliege eingeschränkt. Die nomadische Rinderhaltung war in den Trockengebieten von Kenia und Tansania lange Zeit vorherrschend, in letzter Zeit aber werden immer mehr Nomaden sesshaft. Sambia, Simbabwe, Südafrika und das Hochland von Kenia verfügen über eine leistungsfähige Rinderfarmwirtschaft. Farmen und Ranchen haben in Botsuana und Namibia die traditionelle Viehhaltung abgelöst.
B. Wiese