Afrika - Passatzirkulation und Dürregefahr

Afrika - Klima

978-3-14-100803-6 | Seite 148 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 72.000.000
Afrika | Passatzirkulation und Dürregefahr | Afrika - Klima | Karte 148/4

Passatzirkulation

Durch die Kugelgestalt der Erde erfahren die verschiedenen Breitenkreiszonen der Erde eine unterschiedlich starke Energiezufuhr durch die Sonne (s. 254/255). Mit abnehmendem Sonnenwinkel vom Äquator hin zu den Polen nimmt die Energiezufuhr mehr und mehr ab. Die intensive Sonneneinstrahlung im Bereich der Tropen und Subtropen führt dort zu einem Energieüberschuss gegenüber den höheren Breiten. Die Atmosphäre versucht diese Energiegegensätze zwischen äquatorialen und polaren Breiten auszugleichen.

Dabei steigen warme und damit leichtere Luftmassen in Äquatornähe auf. Am Boden stellt sich mit der äquatorialen Tiefdruckrinne ein Bereich tiefen Luftdrucks ein, während sich in den oberen Atmosphärenschichten ein Höhenhoch bildet. Im Bereich der Pole sinken die kalten und damit schweren Luftmassen ab. Auf diese Weise entsteht über den Polen ein Höhentief, während sich durch die in den unteren Schichten der Atmosphäre sammelnden Luftmassen ein bodennahes Kältehoch entwickelt. So entsteht zwischen den äquatorialen und polaren Breiten vor allem in der Höhe ein starker Luftdruckgegensatz. Diese Luftdruckunterschiede verursachen eine Ausgleichsströmung (Höhenströmung), die von den äquatorialen Regionen in Richtung der polaren Breiten verläuft. Durch die ablenkende Kraft der Erdrotation (Corioliskraft) werden diese Luftströmungen jedoch mit zunehmender Entfernung vom Äquator immer mehr abgelenkt – auf der Nordhalbkugel nach rechts, auf der Südhalbkugel nach links. Durch absinkende Luftmassen im Bereich der Sudtropen entstehen vor allem über den Meeresflächen stabile bodennahe Hochdruckzellen. Von ihnen verläuft eine bodennahe Ausgleichsströmung (Bodenströmung) in Richtung des tiefen Luftdrucks entlang der innertropischen Konvergenzzone am Äquator, wo sie infolge der Ablenkung durch die Corioliskraft als Nordost- und Südostpassat zusammenströmen.

Über den Kontinenten ist die äquatoriale Tiefdruckrinne stärker ausgebildet und verlagert sich dort jahreszeitlich auch stärker nach Norden bzw. Süden als über den Ozeanen (148.1–2). Über Landflächen sind die aus absteigenden Luftbewegungen der subtropischen Hochdruckgebiete resultierenden Passate sehr trocken, wie etwa in Nordafrika (148.3). Streichen sie hingegen zunächst über größere Meeresflächen, so kann die dabei aufgenommene Feuchtigkeit beim Übertritt auf das Land zu hohen Niederschlägen führen, wie dies an der Ostküste Madagaskars zu beobachten ist (148.3).

Zwischen Juni und September liegt die Innertropische Konvergenzzone (ITCZ) über dem Festland weit nördlich des Äquators ( 148.2). Dadurch wehen die Südostpassate im Bereich des Golfs von Guinea und in Ostafrika über den Äquator hinweg auf die Nordhalbkugel und werden dort zu Nordwestwinden umgelenkt. Streichen sie dabei über Meeresflächen, wie im Golf von Guinea, dann führen sie zu echten Monsunregen.

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Afrika Landwirtschaft

Die naturräumliche Vielfalt, die geschichtliche Entwicklung, der Entwicklungsstand der Länder und die gegenwärtigen Rahmenbedingungen auf den Weltagrarmärkten sind wesentliche Faktoren, die ein Nebeneinander sehr unterschiedlicher Formen landwirtschaftlicher Nutzung in Afrika bewirken.

Die Landwirtschaftskarte ermöglicht einen Überblick zur Bodennutzung, der Ausdehnung des Kultur- und Weidelandes sowie den angebauten Nutzpflanzen. In vielerlei Hinsicht lassen sich Beziehungen zu den Klimakarten und den physischen Karten herstellen. Sie gibt dagegen keine Auskunft über weitere wichtige Faktoren der Landwirtschaft: die Betriebsstrukturen, die Wirtschaftsweise und die Besitzverhältnisse. Aussagen zur Exportorientierung lassen sich aus der Schraffur (Eigenbedarf) bzw. indirekt aus den angebauten Nutzpflanzen ableiten.

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Dürrewahrscheinlichkeit

Aufgrund großräumiger Verschiebungen der Hadley-Zelle (249.2) kommt es in weiten Teilen Afrikas zur Ausbildung von unterschiedlich lang anhaltenden Regen- und Trockenzeiten, die den Rhythmus des Lebens in auf dem Kontinent bestimmen. Die jahreszeitlichen Niederschlagsschwankungen spiegeln sich vor allem in der Anzahl der humiden Monate wider. Räume, in denen weniger als sechs Monate im Jahr die Niederschlagssumme höher als die potentielle Landschaftsverdunstung ist, gelten als Trockenräume. Die Grenze hier liegt etwa bei 500 Millimetern Jahresniederschlag (148.3).

Außer von jahreszeitlichen Schwankungen sind breite Streifen Afrikas zudem von einer hohen interanualen Niederschlagsvariabilität betroffen. In niederschlagsarmen Jahren können so lang anhaltende Dürrephasen mit negativen Folgen für alle Lebensbereiche auftreten.

Durch den starken Rückgang tropischer Regen- und Monsunwälder und die damit verbundene höhere Verdunstung über Land steigt auch in den semi- und voll-humiden Inneren Tropen die natürliche Exposition für Dürreereignisse verstärkt an.

Die Niederschläge der Sahelzone resultieren nicht aus der ITCZ und ihrer Verlagerung, sondern aus Tiefdruckstörungen, „Easterly Waves“, die unter der östlichen Höhenströmung des „African Easterly Jets“ entstehen. Der Monsun speist von Süden her Feuchtigkeit in diese Wellenströmung ein, die über der Sahelzone ausregnen kann. Ein Großteil des Wasserdampfes stammt dabei aus den äquatorialen Regenwäldern mit ihren hohen Transpirationsraten. Durch die fortschreitende Abholzung dieser Wälder in den vergangenen Jahrzehnten nehmen jedoch der Feuchtigkeitsgehalt der Luft und damit auch die Niederschlagsbereitschaft ab.

Neben diesen anthropogenen Beeinflussungen des Niederschlagsaufkommens der Sahelzone üben aber auch natürliche Prozesse wie Veränderungen bei den Oberflächentemperaturen der Meere, veränderte atmosphärische und ozeanische Zirkulationsbedingungen sowie Variabilitäten der Sonnenaktivität einen Einfluss auf den Temperaturkontrast Guineazone / Sahara und damit auf den „African Easterly Jet“ aus, die zu Dürreperioden führen können.

Im Gegensatz zu den ariden Gebieten der tropischen Sahelzone lässt sich in den subtropischen Trockenräumen gegenwärtig kein Trend zu verstärkten Dürren erkennen.

Modellrechnungen im Zusammenhang mit dem anthropogenen Treibhauseffekt zeigen allerdings, dass bei einem anhaltenden Erwärmungstrend durch veränderte Zirkulationsbedingungen innerhalb der Niederschläge bringenden Westwinddrift auch in Nordafrika mit einem Rückgang der Niederschläge zu rechnen ist (250.3).

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Die Anbauzonen

Der Karte liegt die weitgehend breitenparallele Anordnung der Vegetationszonen zwischen der Sahara und der Lundaschwelle zugrunde. Auf den immergrünen Regenwald des Kongobeckens und die Monsunwaldreste Westafrikas folgt ein Feuchtsavannengürtel. An ihn schließt sich eine breite Zone von Trocken- und Dornstrauchsavannen an. Wüsten und Halbwüsten erreichen in der Sahara das Ausmaß eines „Kontinentes“; am Horn von Afrika, in Ost- und Südafrika sind Teile der Küstenzone und des Binnenlandes wüstenhaft. Das Hochland von Äthiopien und das Ostafrikanische Hochland zeigen eine vertikale Landschaftsgliederung in Höhenstufen (s. 151.6).

Die agrarökologische Gliederung Afrikas bildet den Rahmen für die Verteilung der Viehwirtschaft. Die Feuchtsavannen und Regenwälder des Tieflands sind von der Tsetsefliege verseucht, sodass eine Rinderhaltung größeren Ausmaßes nicht möglich ist; die trockenen Savannen, die Hochländer der Tropen sowie die semiariden bis humiden Subtropen sind daher Hauptgebiete der Viehwirtschaft. Der Grad der Marktorientierung bei der Viehhaltung ist sehr unterschiedlich. Vieh ist heute ein wichtiges Handelsgut, seien es Schafe, Dromedare und Esel in Nordafrika, Rinder, Ziegen, Schafe und Esel in den trockenen Savannen, den Subtropen und Hochländern, Ziegen, Schweine und Geflügel in der Regenwaldzone.

Die zonale Anordnung der Klimagebiete und ihre Höhengliederung schlägt sich in der Verbreitung der Nutzpflanzen nieder: Bei den Nahrungsmittelkulturen dominieren Maniok und Kochbanane in der Regenwaldzone, Yams in der Feuchtsavanne, Hirse und Erdnuss in den Trocken- und Dornstrauchsavannen. Der Reisanbau auf Bewässerungsflächen spielt eine zunehmende Rolle. In den subtropischen Winterregengebieten hat der Weizenanbau seine Hauptverbreitung, in den subtropischen und tropischen Halbwüsten und Wüsten die Dattel. In den Hochländern sind Mais, Bohnen und Süßkartoffeln Grundnahrungsmittel. Die durch Schrägschraffur gekennzeichneten Nutzpflanzen werden zum einen für den Eigenverbrauch angebaut, in erheblichem Umfang allerdings auch für die lokalen und regionalen Lebensmittelmärkte.

Auch bei den vorwiegend exportorientierten Nutzpflanzen lassen sich Bezüge zu den Ökozonen und Höhenstufen herstellen: In den immerfeuchten Tropen werden Ölpalmen als Fett liefernde Pflanzen angebaut, Kakaobaum und Kaffeestrauch als Genussmittelpflanzen sowie Hevea brasiliensis als Kautschuk liefernder Baum. Die Savannen sind die Herkunftsgebiete von Baumwolle und Erdnuss. In den höher gelegenen Gebieten liefern Strauchkulturen den wertvollen Arabica-Kaffee und Tee. Als typisch mediterrane Nutzpflanzen werden im äußersten Norden und Süden des Kontinentes Zitrusfrüchte und Wein angebaut.

Nördlich der Sahelzone bestimmen Trockenräume die Bedingungen für die Landwirtschaft. Sie ist dort an lokale Grundwasservorkommen und den Nil gebunden ( Oasenlandwirtschaft). Nur in einzelnen Räumen nördlich des Atlasgebirges und am Mittelmeer ist Ackerbau auch ohne Bewässerung möglich. Trotz der engen räumlichen Grenzen der Anbaugebiete ist die Landwirtschaft in diesem Teil Afrikas sehr produktiv und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

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Graphiken

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Die Ausdehnung der Landnutzung

Die weltweite landwirtschaftliche Nutzfläche kann nur noch wenig ausgedehnt werden. Sie ist durch ganzjährige Dauer- oder jahreszeitlich wechselnden Jahreszeitenfeldbau, sowie durch extensive Weide- und Waldnutzung differenziert.
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