Afrika - Industrie

Afrika - Wirtschaft

978-3-14-100770-1 | Seite 179 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 72.000.000
Afrika | Industrie | Afrika - Wirtschaft | Karte 179/4

Informationen

Die Verteilung von Industriestandorten zeigt zwei Standorttypen: zahlreiche Küstenstandorte, wenige Standorte im Binnenland.
Die Küstenstädte knüpfen an kolonialzeitliche Gewerbebetriebe für den Export und den Binnenmarkt an, die Binnenstandorte wie in Ost- und Südafrika beliefern Bevölkerungs- und Kaufkraftballungen sowie Bergbauunternehmen im Binnenland. Die sektorale Gliederung der Industrie ist bemerkenswert: An allen Standorten findet sich die Textil-, Bekleidungs- und Lederbranche, die typische "Dritte Welt"-Produkte für Export und Binnenmarkt herstellt. Dazu tritt die Nahrungs- und Genussmittelerzeugung für den Binnenmarkt (z. B. Mehl, Fette, Getränke, Zigaretten). Die industrielle Fischverarbeitung geschieht vorwiegend für den Export, der Fischverzehr in Westafrika wird aus Flüssen, Seen und über Importe (Stockfisch aus Norwegen) gedeckt.
Erdölraffinerien beliefern den Binnenmarkt, in Nordafrika und Nigeria sind sie auf den Export ausgerichtet. Bei der Chemie und der Kunststoffverarbeitung handelt es sich zum einen um export- und binnenmarktorientierte Großanlagen der Kunstdüngerindustrie, meist aber um mittlere und kleine Unternehmen für die Herstellung von Farben und Lacken, pharmazeutischen Produkten und Kunststoffrohren.
Es fällt auf, dass wichtige Industriebranchen der Veredelungsindustrie nur an zwei Standorten in Süd- bzw. Nordafrika vorkommen. Dabei hat man sich unter der Bezeichnung "Eisen- und Metallverarbeitung, Maschinenbau" (mit Ausnahme von Südafrika) nicht Unternehmen und Anlagen von europäischem Zuschnitt vorzustellen, sondern kleine bis mittlere Unternehmen, die für den lokalen oder regionalen Markt arbeiten (vor allem im Metallbau).

Bedeutung der Industrie
Die Verteilung (zahlreiche "industrielose Länder") und die sektorale Gliederung der Industrie zeigen, dass Afrika im globalen Vergleich, aber auch im Vergleich mit "Entwicklungsregionen" wie Südamerika und Asien eine sehr geringe Industrialisierung aufweist. Der Bedarf der Bevölkerung mit sehr geringer Kaufkraft wird weitgehend durch Produkte des informellen Sektors (Handwerk) oder geschmuggelte Importwaren gedeckt.
Der Tourismus wird in zahlreichen Ländern als die wichtigste "Wachstumsindustrie" betrachtet.
B. Wiese

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