Afrika im 15.-17. Jahrhundert

Afrika – politische Entwicklung

978-3-14-100782-4 | Seite 132 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 72.000.000
Afrika im 15.-17. Jahrhundert |  | Afrika – politische Entwicklung | Karte 132/1

Informationen

Das Afrika der frühen Neuzeit zeigt einen Gürtel afrikanischer Reiche nördlich des Äquators und einige verstreute Reiche an den Küsten und im Innern des Südens. Um Christi Geburt waren Bantu-Völker durch den äquatorialen Regenwald nach Süden vorgedrungen und hatten dort drei Machtzentren gegründet: das Kongo-Reich an der Kongomündung und in Nord-Angola (Lunda), Simbabwe und seinen Nachfolgestaat Monomotapa sowie die Hima-Staaten am Victoriasee. In Ostafrika begründeten um 100 n. Chr. südarabische Stämme das Reich Aksum auf dem Gebiet des späteren Äthiopien. Auf die Zeit um 400 n. Chr. datiert die Entstehung des legendären Ghana, dem Vorläufer von Mali.

Reiche südlich der Sahara
Ghana, das "Land des Goldes", verdankte seinen sagenhaften Reichtum Salzlagern und Goldvorkommen. "Der König von Ghana ist der reichste Mann der Erde", berichtete 997 der arabische Geschichtsschreiber Ibn Haukal. Um diese Zeit erstreckte sich das Reich von der Küste des Atlantiks bis nahe Timbuktu und verfügte angeblich über ein Heer von 200 000 Mann. Glaubenskriege mit den Almoraviden, einer islamischen Erneuerungsbewegung, leiteten im 11. Jahrhundert seinen Untergang ein.
Die Nachfolge von Ghana trat das Reich Mali an, dessen Stammesfürsten früh den Islam angenommen hatten. Unter Sundjata, dem "Löwen von Mali", umfasste das Reich das Gebiet von der Senegal-Mündung bis zum Nigerknie, von Walata in Mauretanien bis zu den Bergen des Südens. Der Reichtum der Malinke basierte auf dem Transsaharahandel und der Kontrolle über die Goldfelder von Wangara. Legendär ist die Pilgerfahrt König Musas nach Mekka (1324), der dort in kurzer Zeit mit Almosen den Goldwert inflationierte.
Bereits gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde Mali durch einfallende Stämme im Süden und Norden geschwächt. 1435 eroberten die Tuareg die Hauptstadt Timbuktu, aber nicht sie, sondern die Songhai übernahmen die Macht. Unter Sonni Ali eroberten sie sich eine Großmachtstellung im mittleren Sudan. Als Songhai 1591 von Marokkanern und spanischen Konquistadoren besiegt wurde, war die Zeit der sudanesischen Großstaaten vorüber. Mit der Ankunft der Europäer verlagerte sich der Handel an die Küsten. Die binnenländischen Staaten verarmten, im Küstengebiet entstanden neue Reiche wie Yoruba und Benin. Überwiegend lebten sie von dem florierenden Sklavenhandel mit den portugiesischen, holländischen und englischen Handelsniederlassungen, die sich ab dem 16. Jahrhundert an der Küste etablierten.
Die um 1000 entstandenen Stadtstaaten der Haussa — darunter Gobir, Katsina, Kano und Zaria — waren um 1350 islamisiert worden. Die etwas jüngeren Königreiche der Mossi gehen vermutlich auf das 11. oder 12. Jahrhundert zurück. Kanem-Bornu war im 8. Jahrhundert nördlich des Tschadsees gegründet und im 11. Jahrhundert islamisiert worden. Um 1200 erreichte es seine größte Ausdehnung. Wohlstand erlangte es als Handelsknotenpunkt zwischen dem arabischen Norden und den west- und südafrikanischen Reichen. Nach Aufständen und Übergriffen verlagerte sich das Zentrum des Reichs um 1400 nach Bornu, wo es im 16. Jahrhundert eine neue Blüte erlebte. Die mehr als 1000 Jahre regierende Saif-Dynastie endete 1846 mit der Hinrichtung des letzten Sultans.
Die westafrikanischen Küstenkönigreiche blieben vom Vordringen des Islam unberührt. Die Städte der Yoruba-Völker zählten bis zu 100 000 Einwohner. Eine Gründung der Yoruba war der Stadtstaat Benin, der ein Zentrum des Sklavenhandels wurde.
D. Bode, K. Lückemeier