Östliches Niedersachsen - Zulieferer der Automobilindustrie

Industrieraum Braunschweig-Wolfsburg

100750 | Seite 28 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 500.000
Östliches Niedersachsen | Zulieferer der Automobilindustrie | Industrieraum Braunschweig-Wolfsburg | Karte 28/2

Informationen

Industrielle Schwerpunkte im östlichen Niedersachsen waren traditionell die Maschinenbau-, die Foto- und die Konservenindustrie. Überdies entwickelte sich Braunschweig aufgrund des intensiven Anbaus von Zuckerrüben in der Region ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Zentrum der deutschen Zuckerindustrie. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschob sich der wirtschaftliche Schwerpunkt hin zur Automobilindustrie. Dafür gab es bereits traditionelle Anknüpfungspunkte: 1904 hatte der Unternehmer und Lkw-Pionier Heinrich Büssing in Braunschweig die weltweit erste fahrplanmäßige Omnibuslinie eingerichtet, fünf Jahre später meldete die weltweit erste Speditionsfirma in der Stadt ein Gewerbe an. Es entstanden die traditionsreichen Büssing-Werke für Busse und Lastkraftwagen. 1938 wurde dann in Braunschweig das erste Volkswagenwerk in Betrieb genommen und in Wolfsburg der Grundstein der Autofabrik gelegt (siehe oben). Als die Region durch die deutsche Teilung am Ende des Zweiten Weltkriegs ihren östlichen Einzugsbereich verlor, geriet sie für einige Jahrzehnte in eine Randlage zu den europäischen Industrie- und Wirtschaftszentren. Diese Phase der wirtschaftlichen Entwicklung war auch durch Strukturprobleme gekennzeichnet.

Metropolregion
Durch die Wiedervereinigung und die EU-Osterweiterung ist das östliche Niedersachsen wieder in das Zentrum Europas gerückt, woraus neue Chancen und Entwicklungspotenziale resultieren. Die enge Verzahnung der ostniedersächsischen Standorte spiegelt sich seit 2005 auch im Begriff "Metropolregion Hannover—Braunschweig—Göttingen" wieder. In der Region leben gegenwärtig fast eine Million Menschen. Sie liegt an sich kreuzenden Hauptverkehrswegen zwischen Skandinavien und Südeuropa sowie zwischen West- und Osteuropa. Die Autobahnen, das Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn (ICE) und der Flughafen Hannover gewähren gute Anbindungen an nationale und internationale Ziele. Braunschweig verfügt zudem mit dem Forschungsflughafen über einen Flughafen, der auch von Geschäftsreisenden u. a. des Volkswagen Konzerns genutzt wird. Diese Infrastruktur und insbesondere die sehr gute Verkehrsanbindung der Gewerbegebiete sind gewichtige Gründe, weshalb sich beispielsweise in Braunschweig Unternehmen wie die Volkswagen Financial Service AG, die Siemens AG mit dem CargoMover (eine Art Lkw für die Schiene) und ein Entwicklungszentrum der Firma Intel für Bausteine der optische Nachrichtentechnik angesiedelt haben.
Hannover ist durch die weltgrößte Messe für Informationstechnik (CEBIT) und die weltgrößte Messe für Industrieprodukte und -anwendungen (Hannover Messe) international bekannt. International bedeutende Unternehmen wie Continental stehen für die industriellen Schwerpunkte Fahrzeugbau und Verkehrstechnologie. Hinzu kommt die Dienstleistungsbranche: Mit der TUI AG hat ein Globalplayer der Tourismus- und Logistikbranche seinen Sitz in Hannover.

Das Cluster der Automobilindustrie
Die Automobilindustrie ist bis heute in den meisten Gemeinden im Umfeld des Städtedreiecks Braunschweig—Wolfsburg—Hannover zu finden, zum Beispiel in Hildesheim, Salzgitter, Gifhorn und Peine. Die Automobilwerke in Wolfsburg, Braunschweig, Salzgitter und Hannover sowie die zahlreichen spezialisierten Zulieferbetriebe und Dienstleister bilden ein dichtes Netz. Sie sind horizontal und vertikal eng miteinander verflochten und prägen als regionales industrielles Cluster die Wirtschaftsstruktur im östlichen Niedersachsen.
H. Schöpke

Graphiken

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Produktionsweisen der Automobilindustrie (Modelle)

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Wertschöpfung und Entwicklungsanteile von Automobilherstellern und Zulieferern

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Organisationsschema der Automobilwirtschaft

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