Ägypten und Sudan - Niltal heute

Ein „Geschenk“ des Nils

978-3-14-100870-8 | Seite 183 | Abb. 5 | Maßstab 1 : 9.000.000
Ägypten und Sudan | Niltal heute | Ein „Geschenk“ des Nils | Karte 183/5

Überblick

An der räumlichen Verteilung der Siedlungen hat sich seit der Antike nahezu nichts geändert, nur ihre Größe, Ausdehnung sowie die Bevölkerungsdichte haben stark zugenommen. Bis heute ist die Bevölkerung Ägyptens - inzwischen mehr als 90 Mio. Menschen (Stand Ende 2016) - fast ausschließlich auf Siedlungen innerhalb des Kulturlandes im Niltal konzentriert, während die Wüstengebiete nahezu menschenleer sind. Das Kulturland umfasst auch die wenigen Oasen.

In Oberägypten zwischen Assuan und Kairo ist das fruchtbare Kulturland wegen der Morphologie des Niltals auf einen schmalen, nur wenige Kilometer breiten Streifen beschränkt. In Unter-ägypten öffnet sich das Nildelta nach Norden zum Mittelmeer in einem gleichseitigen Dreieck von etwa 215 Kilometern Seitenlänge. Mit rund 20 000 Quadratkilometern ist das Nildelta etwa so groß wie Hessen, bei rund 40 Mio. Menschen ist die Bevölkerung des Nildeltas allerdings rund 6,5-mal so groß. Ein Sonderfall ist die Faiyum-Oase, die von einem Nebenarm des Nils gespeist wird, der im natürlicherweise abflusslosen Karun-See endet.

In den vergangenen zwei Jahrhunderten wurden große Anstrengungen unternommen, das Kulturland zu sichern oder sogar in die Wüste auszudehnen und die Bewässerungswirtschaft zu intensivieren. In der Umgebung von Kairo wurden Entlastungsstädte angelegt, die einen Teil der Bevölkerung und der Industrie aus der Metropole aufnehmen sollen (zum Beispiel Stadt des 10. Ramadan). Damit sollen Kulturlandverluste durch Überbauung reduziert werden. Dennoch hat sich die verfügbare Landwirtschaftsfläche pro Kopf der Bevölkerung in diesem Zeitraum immer weiter verringert. Inzwischen sind die räumlichen Potenziale der Gewinnung von Bewässerungsneuland auf der Grundlage von Wasser aus dem Nil weitgehend ausgeschöpft. Weitere Flächen sind nur noch durch Brunnenbewässerung oder durch die Einsparung von Wasser im bestehenden Siedlungs- und Landwirtschaftsgebiet erschließbar.

Gegen Versalzung und Versumpfung als Folgen veränderter Anbaumethoden werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, zum Beispiel Entwässerung. In der unter dem Meeresspiegel gelegenen Faiyum-Oase wurde ein System gebaut, mit dem überschüssiges Wasser in noch tiefer gelegene Senken in der Libyschen Wüste abgeleitet wird.

Der Großraum Kairo liegt an der für die Raumstruktur des Landes bedeutsamen Nahtstelle zwischen Ober- und Unterägypten und ist mit über 20 Mio. Einwohnern eine der größten Stadtagglomerationen der Erde. Die wichtigsten Städte nach Kairo sind Alexandria (2016: rund 5 Mio. Einwohner) und Port Said (0,6 Mio. Einwohner).

In den vergangenen 100 Jahren stieg der Anteil der Stadtbewohner an der Gesamtbevölkerung Ägyptens von unter 20 auf 43 Prozent an, die Bevölkerung wuchs von 13 auf 87 Mio. Menschen. Diese Entwicklung ging einher mit einer starken räumlichen Expansion der Städte und der ländlichen Siedlungen, was zu einer fortschreitenden Überbauung der landwirtschaftlichen Nutzflächen führte. Inzwischen ist die Errichtung von Neubauten auf Ackerland durch gesetzliche Auflagen erheblich eingeschränkt, und auch in den Städten und Dörfern des Nildeltas kommt es verstärkt zu einer "vertikalen Expansion" (Aufstockung bestehender Häuser).

Das enge Nebeneinander verschiedener Nutzungen und die daraus resultierenden Konflikte machen Oberägypten zu einem Gebiet mit typischen Krisenmerkmalen und Problemen (rasantes Stadtwachstum, Umwandlung von knappem Kulturland in Bauland, Umweltverschmutzung, Verkehrschaos). Diese Probleme können nicht isoliert von der gesellschaftlichen und ökonomischen Situation Ägyptens betrachtet werden. Ein Interpretationsmuster, das nur auf Naturfaktoren, Bevölkerungswachstum und Tragfähigkeit abhebt, würde der Entwicklung Ägyptens nicht gerecht werden.

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