Ägypten - eine antike Stromkultur

Afrika - Topographie und Nil

978-3-14-100770-1 | Seite 168 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 9.000.000
Ägypten | eine antike Stromkultur | Afrika - Topographie und Nil | Karte 168/1

Überblick


Die Klimaklassifikation nach Carl Troll und Karlheinz Paffen bezieht sich auf die weltweiten klimatischen Unterschiede im Wechsel der Jahreszeiten. Drei Klimaparameter sind an dieser Stelle entscheidend: Sonneneinstrahlung, Temperatur und Niederschlag. Zusätzlich beleuchten Troll und Paffen die Zusammenhänge zwischen den örtlichen Klimaten und der jeweiligen natürlichen Vegetation.
Bei der Entwicklung der Klimakarte ging Troll zunächst nicht von diesen Klimaelementen aus. Vielmehr hob er die besondere Bedeutung der Vegetation hervor. Auf der Grundlage seiner hervorragenden Kenntnis der Erdräume entstand so zunächst ein gedankliches Gerüst über die Verbreitung unterschiedlicher Vegetationsformationen auf der Erde. Jedem dieser Vegetationstypen ordneten Troll und Paffen entsprechende Klimate zu und versuchten, sie anhand der oben genannten Aspekte zu charakterisieren.

Klimazonen und Eigenschaften
So folgte die Unterteilung in fünf Klimazonen: die polare/subpolare Zone, die kaltgemäßigte boreale Zone, die kühlgemäßigte Zone, die warmgemäßigte Subtropenzone und die Tropenzone. Diese Hauptklimazonen sind wiederum in 34 Klimatypen unterteilt.
Die genaue Klimazuordnung ist anhand spezieller Werte festgelegt. Dazu gehören bestimmte Temperaturschwellenwerte (höchste und niedrigste Temperatur) einzelner Monate, die Jahresamplitude der Temperatur, die Vegetationsdauer und die Anzahl der Monate mit hohem Niederschlag in einem Jahr.
Insgesamt liegt bei Troll und Paffen eine beschreibende Darstellung des Klimas im Vordergrund, die sehr eng mit der natürlichen Vegetation verknüpft ist.

A. Siegmund, P. Frankenberg, J. Seibel

Info Plus

Das Leben in Ägypten war in historischer Zeit durch die Lage am Nil und den Jahresgang seines Abflusses bestimmt. Siedlungen wurden entweder in der Stromoase oder im Nildelta errichtet, denn nur am Nil gab es in einer ansonsten lebensfeindlichen Umgebung ausreichend Wasser. Die Gebiete außerhalb des Niltals waren von einem Netz aus Karawanenwegen durchzogen, dort lagen nur einzelne Oasen. Insbesondere in den Gebirgen zwischen Nil und Rotem Meer wurden Baumaterialien (Granit, Porphyr, Sandstein, Alabaster), Erze (Kupfer, Gold) und Edelsteine gewonnen.

Kulturland am Nil
Zu beiden Seiten des Flusses lag ein jeweils etwa 10 km breiter Streifen Kulturland, der sich nur zum Delta hin weitete. Der Nil hatte damals ein Abflussminimum im Mai und eine Hochwasserwelle mit Scheitelpunkt im September, die Folge der sommerlichen Niederschläge am Oberlauf des Blauen Nil und des Weißen Nil waren. Der Anbau begann, wenn das Abfließen des Hochwassers einsetzte und die Felder wieder trockenfielen.
Die mit dem Nilwasser angeschwemmten Nährstoffe (Lehm) und die im Boden enthaltene Feuchtigkeit ermöglichten dann einen ertragreichen Ackerbau. Zu Beginn der Trockenzeit konnte die Ernte eingebracht werden. Wie wichtig das Hochwasser für die Landwirtschaft des alten Ägypten war, zeigt die Tatsache, dass der Anfang eines neuen Jahres im Juli lag ? zu Beginn der Hochwasserwelle.
Im Mittellauf des Nil lagen insgesamt sechs Stromschnellen (Katarakte), die ein natürliches Hindernis für die Schifffahrt bildeten. Die Grenzlinien der ägyptischen Reiche befanden sich jeweils in der Nähe dieser Katarakte. Am 1. Katarakt befindet sich heute der Staudamm von Assuan, der 2. Katarakt ist vom Nassersee überflutet.

Das Niltal heute
An der räumlichen Verteilung der Siedlungen hat sich seit der Antike nahezu nichts geändert, nur ihre Größe, Ausdehnung sowie die Bevölkerungsdichte haben stark zugenommen. Auch heute ist das Niltal mit über 3000 Einwohnern/km2 der bevorzugte Siedlungsraum Ägyptens ? im Kontrast zu den dünn oder gar nicht besiedelten Wüsten und Halbwüsten außerhalb der Stromoase. Das Kulturland wurde nur im Bereich der wenigen Oasen ausgedehnt. Kairo ist mit über 15 Mio. Einwohnern eine der größten Stadtagglomerationen der Erde. Das enge Nebeneinander verschiedener Nutzungen und die daraus resultierenden Konflikte machen Oberägypten zu einem Ballungsgebiet mit typischen Krisenmerkmalen und Problemen (rasantes Stadtwachstum, Umwandlung von knappem Kulturland in Bauland, Umweltverschmutzung, Verkehrschaos).
M. Felsch

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