Ägypten - Antike Stromkultur

Geschichte - Altes Ägypten und Antikes Griechenland

978-3-14-100380-2 | Seite 194 | Abb. 1
Ägypten | Antike Stromkultur | Geschichte - Altes Ägypten und Antikes Griechenland | Karte 194/1

Überblick

Das Leben in Ägypten war in historischer Zeit durch die Lage am Nil und die Schwankungen des Wasserspiegels bestimmt. Siedlungen wurden entweder in der Stromoase oder im Nildelta errichtet, denn nur am Nil gab es in einer ansonsten lebensfeindlichen Umgebung ausreichend Wasser. Die Gebiete außerhalb des Niltals waren von einem Netz aus Karawanenwegen durchzogen, dort lagen nur einzelne Oasen. Insbesondere in den Gebirgen zwischen Nil und Rotem Meer wurden Baumaterialien (Granit, Porphyr, Sandstein, Alabaster), Erze (Kupfer, Gold) und Edelsteine gewonnen.

Kulturland am Nil

Zu beiden Seiten des Flusses lag ein jeweils etwa 10 km breiter Streifen Kulturland, der sich nur zum Delta hin weitete. Der Nil hatte damals ein Abflussminimum im Mai und eine Hochwasserwelle mit Scheitelpunkt im September. Der Anbau begann, wenn das Abfließen des Hochwassers einsetzte und die Felder wieder abtrockneten. Der mit dem Nilwasser angeschwemmte Lehm enthielt viele Nährstoffe, und die dann im Boden enthaltene Feuchtigkeit ermöglichte einen ertragreichen Ackerbau. Zu Beginn der Trockenzeit konnte die Ernte eingebracht werden. Wie wichtig das Hochwasser für die Landwirtschaft des alten Ägyptens war, zeigt die Tatsache, dass der Anfang eines neuen Jahres im Juli lag – zu Beginn der Hochwasserwelle. Im Mittellauf des Nil lagen insgesamt sechs Stromschnellen (Katarakte), die ein natürliches Hindernis für die Schifffahrt bildeten. Am 1. Katarakt befindet sich heute der Staudamm von Assuan, der 2. Katarakt ist vom Nassersee überflutet.

Das Niltal heute

An der räumlichen Verteilung der Siedlungen hat sich seit der Antike nahezu nichts geändert, nur ihre Größe, Ausdehnung sowie die Bevölkerungsdichte haben stark zugenommen. Staudämme sorgen für eine gleichmäßige Wasserführung und eine dauerhafte Bewässerung des Kulturlandes. Das Niltal ist mit über 3000 Einwohnern/km2 immer noch der bevorzugte Siedlungsraum Ägyptens – im Kontrast zu den dünn oder gar nicht besiedelten Wüsten und Halbwüsten außerhalb der Stromoase. Kairo ist mit einer Bevölkerung von über 20 Millionen in der Agglomeration eine der größten Städte der Erde. Das enge Nebeneinander verschiedener Nutzungen und die daraus resultierenden Konflikte machen Oberägypten zu einem Ballungsgebiet mit typischen Problemen (rasantes Stadtwachstum, Umwandlung von knappem Kulturland in Bauland, Umweltverschmutzung, Verkehrschaos).

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